Mittwoch, 17. November 2010

Buhh! Terroristen statt Knecht Rupprecht

Die Weihnachtszeit naht - und es wurde mal wieder Zeit, ein bissel Angst zu haben. Früher drohte man den Kindern mit Knecht Rupprecht. Heute muß der durchschnittliche Al-Qaida-Terrorist herhalten.

Denn: Deutschland droht ein Anschlag . Und das mutmaßlich noch diesen Monat.
Und weil das so ist, patrouillieren jetzt vermehrt schwer bewaffnete Bundespolizisten auf den Bahnhöfen, werden die Grenzkontrollen intensiviert und die Kontrollen auf den Flughäfen. Bürger werden um verstärkte Aufmerksamkeit gebeten.

Viele fragen sich: Was soll ich davon halten? Wir von der Taverne empfehlen relaxed: Abstand.

Betrachten wir das doch mal ganz objektiv. Ob wirklich grad ein Terrorkommando startklar ist für Ende November, sei mal dahingestellt. Wichtig ist, daß der Innenminister was richtiges festgestellt hat: Man sollte seine Lebensführung nicht ändern, denn dann haben mutmaßliche Terroristen schon gewonnen. Erhöhte Wachsamkeit kann sowieso nicht schaden, grad an Bahnhöfen (ich sag nur: Taschendiebe). Aber letztlich ist die Warnung des Innenminister ansonsten auch vor allem eins: politische Absicherung des eigenen Arsches. Gleiches gilt für die öffentlich am stärksten wahrnehmbare Maßnahme, die Patrouillen auf den Bahnhöfen.
Damit ist der Minister aus dem Schneider wenn wirklich was passiert und einige behaupten wollen, er hätte nichts getan.

De facto ist es so, daß speziell diese öffentlich sichtbaren Patrouillen ein reines Placebo und noch dazu ein schlechtes sind. Unsere Bahnhöfe sind offene Ziele. Eine Kontrolle aller Gepäckstücke von der Handtasche bis zum Koffer, die jeden Tag z.B. den Kölner HBf passieren, ist schlechterdings nicht möglich. Das soll mal einer versuchen, die Pendler am morgen werden sich bedanken. Daran in den Kölner HBf zu marschieren und sich zu sprengen kann einen keinerlei Patrouille der Bundespolizei hindern. Wer sich dabei nicht grad saudämlich anstellt, macht das einfach. Der Zeitpunkt an dem man auffällt, ist der, wenn die Bombe zündet. Und dann ist es zu spät.
Selbst Flughäfen sind nur halb so sicher wie sie wirken. Wenn die Terroristen den Angriff im noch offenen Bereich starten und das nach dem Muster von Mumbay, werden sie Erfolg haben, sofern ihr Ziel viele Tote sind. Daran wird kein Bundespolizist etwas ändern können.
Von einer Bombe im Gedränge eines Weihnachtsmarktes ganz zu schweigen.

Und trotzdem würde, wenn das passiert, jeder dem Minister unterstellen, er hätte nicht alles getan, wenn er nicht auf jeden Bahnsteig 10 Polizisten gestellt hat. Auch wenn das nicht stimmt. Das wichtigere Element sind die Fahndungsmaßnahmen, die nicht öffentlich ablaufen, um etwaige Terroristen vor dem Anschlag zu schnappen. Nur wird was öffentlich nicht wahrgenommen wird, nicht gewürdigt. Deshalb der Aktionismus von eher zweifelhaftem Nutzen in Sachen Terrorabwehr.

Muß man deswegen Panik haben? Nein. Selbst wenn ein Anschlag geschehen sollte, ist die Wahrscheinlichkeit davon betroffen zu sein geringer, als am Bahnhof von einem Junkie angepöbelt oder einem Taschendieb behelligt zu werden (jeder erfahrene Pendler kann das bestätigen). Und zumindest diese Zeitgenossen machen sich dann doch rarer, wenn vermehrt Bundespolizei auf den Bahnhöfen unterwegs ist. Und das nenn ich mal den eigentlich positiven Nebeneffekt. Die Terrorgefahr verrechne ich unter Lebensrisiko a la Blitzschlag.

Einige Stammgäste in der Taverne munkeln ja übrigens - so hab dem zweiten Glas Rum - es ginge gar nicht um Al-Qaida-Terroristen. Sondern um aufständische Wildschweine aus Rheinland-Pfalz.
Wenn der geneigte Leser also Ende November mitbekommt, daß wieder eine Sau durch die Straßen gejagt wird, weiß er was los ist...

Ich trink mir jetzt erstmal einen...und die nächste Runde geht aufs Haus. Wir lassen uns bestimmt nicht die Laune verderben.
Yoho, Pirat

1 Kommentar:

  1. Richtig so. Wir gehen raus vor die Welt und lassen uns von nichts Angst machen. Wir haben ja bisher auch den 1. FC Köln überlebt :-(
    Gruß
    Fulano

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