Dienstag, 9. November 2010

Attila, der Wikinger

Als ein geschichtlich und naturwissenschaftlich interessierter Freibeuter und Barbesitzer glotz ich ja durchaus gerne mal die ein oder andere Doku. Diese Passion hatte ich schon als kleiner Schiffsjunge. Nun, in den letzten Jahren haben Sender wie Phoenix, N-tv und N24 kommerziell und in Serie produzierte Dokus durchaus marktreif und gesellschaftsfähig gemacht. Anfänglich schauten die Öffentlich-rechtlichen da ja etwas pikiert drauf. Aber inzwischen ist das durchaus echte Konkurrenz.
Es gibt sogar einen Namen für diese Entwicklung, die vom amerikanischen Discovery Channel (dem Google der Fernsehwelt) und der BBC herüberschwappte: Infotainment.
Boah!

Leeeet meeeeee INFOTAIN YOU!!! *bambambam*

Man kann das durchaus begrüßen. Die Sendungen sprechen ein breites Publikum an und einige vermitteln tatsächlich ja sowas wie Bildung. Und da das so ein Erfolg ist nehmen nun auch Sender wie Kabel 1 entsprechende Formate ins Abendprogramm auf. Zur besten Sendezeit.

Dumm nur, wenn man sich da nicht die Perlen, sondern die faulen Nüsse einhandelt. Nämlich schlecht gemachte Dokus. Und damit meine ich nicht Herrn Barrs Riesenkalmar, der eigentlich nur ein Humboldtkalmar war.

Nein, ich meine eher solche Unglücke wie auf kabel 1, ein Format, das als die größten Eroberer  angepriesen wurde. Das Format stellt in aufwendig produzierten Szenen die Feldzüge von so großen Eroberern wie Attila, Richard Löwenherz usw. dar. Dafür, daß es von der BBC war, erstaunlich ungenau, wie mir auffiel. Manche Szenen kommen zu sehr wie Seifenoper daher, der zeitliche Rahmen wird häufig ungenau umrissen. Na gut, mag der publikumswirksamen Dramaturgie geschuldet sein.

Ich hab dann einmal mich hinreißen lassen, die Taverne war grad leer, klein Asmo sammelte die letzten Gläser ein, da zappte ich drauf und stolperte über die Folge dieser Reihe bezüglich Attila, dem Hunnen-...momentmal, das war doch der Hunnenkönig gewesen, oder? Da ritten also mit Schwertern bewaffnete Männer umher, man sah brüllende bärtige Burschen....aber Hunnen waren das irgendwie nicht. Die wirkten mehr wie Wikinger.
Hätte man nicht wenigstens passende Darsteller zumindest für die Protagonisten wenn nicht für die Statisten finden können? Ich war völlig konsterniert.

Seit Attila, dem Wikinger habe ich mich nicht mehr getraut diese Reihe einzuschalten. Nix gegen Infotainment, aber das war kein Geniestreich! Ich will nicht wissen wieviele Geschichtslehrer da jetzt wieder die Wahrnehmung der Kids vergeblich gerade zu biegen versuchen...

Wer weitere Beispiele für schlechtes und eher skurriles Infotainment kennt, darf sie gerne melden.

Kommentare:

  1. Ich hätte nen Tipp: Das Fernsehen im Allgemeinen? ;-)

    AntwortenLöschen
  2. Na, ein paar Sendungen find ich ja durchaus gut...ich gehör nicht zu den pauschalen Fernseh-Verteuflern...zumal ich dann auch das Internet meiden müßte.

    AntwortenLöschen