Sonntag, 30. Januar 2011

Tage des Donners über Kairo

Herr Mubarak - was war das denn???
Kampfjets?
Im Tiefflug?
Über Demonstranten?
Will da etwa jemand den Chinesen den Titel des brutalsten Demonstrantenabschlachters, errungen auf dem Platz des Himmlischen Friedens, streitig machen? In der Tat, Kampfflieger toppen Panzer.
Unwerter Herr Mubarak, ich hoffe doch sie kommen nicht ernsthaft auf die Idee, Bomben auf die Demos werfen zu lassen, oder?

Ja, es sind spannende Tage in Kairo und wer die Meldungen richtig liest, erkennt die ersten Auflösungserscheinungen. Vertreter der Kairoer Elite - Künstler, Manager etc. - verlassen das Land. Wie die Ratten des sinkende Schiff.
Und doch zeigt sich, daß man offenbar Mubaraks Reaktionen mehr fürchten muß als diejenige Ben Alis in Tunesien. Ein alter verbitterter Mann, der sich an seine Macht klammert - kaum etwas kann gefährlicher sein. Na gut, eine wütende Frau, zugegeben. Aber sonst?
Wie bei Tunesien wäre es an der Zeit, daß der Westen mal Position bezieht. Und damit meine ich nicht dieses feige Gewäsch der Merkel, von wegen, es wären alle zu einem friedlichen Dialog aufgerufen...
Frau Merkel, die meisten Potentaten lassen sich nicht einfach beim Kaffeekränzchen wegquatschen! Auch das es bei der Wende 1989 friedlich blieb war eher die Ausnahme. Momentan hat es vor allem einer in der Hand, wie friedlich es bleibt: Mubarak. Er könnte ja auch einfach gehen. Er sollte sich da mal mit seinem tunesischen Ex-Kollegen unterhalten.
Und wenn doch Kampfflieger mal nicht nur drohen, sondern schießen?

Ich hätte da einen Vorschlag echter konstruktiver Politik für den Westen, mit der sich eindeutig auf die Seite derjenigen stellt, die nur ihre Rechte einfordern:
Man parke eine Flugzeugträgergruppe vor der ägyptischen Küste und rufe dann mal im dortigen Präsidentenpalast an:
"Herr Mubarak? Ja, hier übrigens Kommandant so-und-so von Task Force XY...wissen Sie, wenn auch nur ein Kampfjet gegen Demonstranten eingesetzt wird, haben Sie die längste Zeit eine Luftwaffe gehabt.
Oder einen Präsidentenpalast.
Klar soweit?
Wir wünschen dann noch einen schönen Tag.
Mit besten Grüßen aus dem Westen."

Westliche Kampfjets könnten Patrouille über Kairo fliegen um die Demonstranten vor ägyptischen Luftangriffen zu schützen, wenn es sein muß. Das wär doch mal ein Bild. Und die Infrastruktur der ägyptischen Luftwaffe läßt sich - liegt in der Natur der Sache - wahrscheinlich recht gut anvisieren ohne größere Fehltreffer. Es wäre klar, daß es nur gegen die Luftwaffe geht und das man damit zugunsten des dortigen Volkes vorgeht. Es wäre ein punktgenau anvisierbares Ziel.

Aber ich bin ja ein Pirat, kein Diplomat. Was versteh ich denn schon.
Ich denke trotzdem, daß allein die Drohung das ägyptische Regime von Dummheiten abhalten würde.
Aber ich seh schon wieder die ersten rufen: Einmischung!

Ja, natürlich. Ich bin dafür,. sich einzumischen, wenn man damit einem anderen Volk wirklich helfen kann. Und wenn man dazu die Kampfjets eines Potentaten vom Himmel holen muß - dann bitte! Nur zu!
Das feige Wischiwaschi-gesabbel unserer westlichen Politiker geht mir nur noch auf den Senkel.

Hoffen wir einfach mal, daß die Tiefflieger von heute Nachmittag nur ein bissel Posieren und ein Bluff waren.
Und allen Ägyptern wünsche ich weiterhin soviel Mut, Hoffnung und den Glauben an eine bessere Zukunft.

In diesem Sinne,
Yoho!

Freitag, 28. Januar 2011

Neues bei der Deutschen Bahn

Viel wurde schon über die DB geschrieben und gefrotzelt. Der Stoff geht ja nie aus. Irgendwie. Aber mal ehrlich - eigentlich isses immer das selbe. Bremsen, Klimaanlage, Heizungen, Börsengang, Verspätungen.
Im Grunde kennen wir die Pointe doch immer schon!

Und jeder weiß, wenn am Bahnhof 10 Minuten Verspätung angezeigt wird, darf man mit 20 rechnen. Und alles bis 5 Minuten wird eh nicht angezeigt, weil ist ja noch pünktlich. So kennen und hassen wir die DB.

Aber offensichtlich testet die DB gerade in Köln und Umgebung ein neues PR-Konzept, um ihr Image aufzubessern. Motto: "Wir überraschen unsere Kunden". Jedenfalls erlebte ich heute wie das geht!

Ich wartete am Bahnsteig auf meinen Zug. Es wurde plötzlich angeschlagen 10-15 Minuten Verspätung. Damned! Das bedeutete mindestens 30 Minuten Realzeit, wie ich schnell überschlug. Schon wollte ich vom Bahnsteig runter und mir erstmal was zu trinken holen für die Wartezeit.
Da fährt auf einmal mein Zug ein. Auf die Minute pünktlich noch während er mit 10 Minuten Verspätung angezeigt wird. Äääääähhhhh...häää???

Ich zwar froh nun doch pünktlich an meinem Ziel anzukommen (bzw. ich hoffte das froherweise). Aber eins war ich dann doch definitiv: Konsterniert. Das zeitliche Phänomen der Pünktlichkeit trotz angedrohter Verspätung war eine echte Überraschung...

Donnerstag, 27. Januar 2011

Wind of Change?

Ahoi!
Der geneigte Leser in der Taverne wird sicherlich mitbekommen haben, daß hier die sogenannte Jasmin-Revolution thematisiert wurde. Nun - wie versprochen bleiben wir am Ball!

Wie ist inzwischen die Lage? Die Nachrichten sind aufregend! In Tunesien läßt das Volk nicht locker, das Militär steht eindeutig auf dessen Seite und die Zeichen mehren sich, daß es eine echte Chance auf eine Demokratisierung gibt. Bisher sind die letzten Vertreter des alten Regimes in Tunis in der Defensive - und ich finde das gut so!
Und der Beweis, den die Tunesier erbracht haben, daß man auch ein diktatorisches Regime aus eigener Kraft stürzen kann, sobald einem Knüppel, Gas und Kugeln egal sind, scheint Wirkung zu zeigen:
Demonstrationen in Algerien, Jemen, Jordanien. Und - ganz aufregend - eine Protestwelle ohne gleichen in Ägypten. Dort hat sich gerade heute eine prominente, auch bei uns (zumindest unter Interessierten) bekannte Persönlichkeit an die Spitze der Bewegung gestellt: Mohamed El Baradei, Friedensnobelpreisträger und früherer Chef der Atomenergiebehörde. El Baradei ist des islamischen Fundamentalismus erstmal unverdächtig - und das läßt hoffen, daß es auch in Ägypten mehr um wirkliche Bürger-und Freiheitsrechte als um eine islamistische Machtübernahme geht. Das sollte z.B. auch den Westen beruhigen, der gerade in Ägypten nicht ganz zu Unrecht beunruhigt wäre, wenn die Muslimbruderschaft die Macht übernähme.

Und das sind wir mal wieder beim Thema. Die vorsichtigen Solidaritätsbekundungen aus EU und dem sonstigen Westen an die Adresse der Protestanten sind zwar ein Fortschritt, aber immer noch viel zu lasch. Hallo? Wir sind hier nicht beim klassischen Konzert wo man nur leise tuscheln soll, ja? Hier gehts um grundlegend wichtige Dinge, es herrscht in Kairo Krawall und auch in Tunis ist noch nicht alles vorbei. Hier muß die E-Gitarre her, mit fetzigen Riffs - so wie der Wind of Change damals zur Wendezeit! Begriffen haben das erstaunlicherweise zunehmend die Vertreter der Medienlandschaft. Kaum eine Nachrichtensendung, ein Nachrichtensender oder eine Zeitung, die mir bekannt sind, die nicht auf die angebrachte Pflicht des Westens verweisen, endlich sich hinter die Völker, nicht die Regime zu stellen. El Baradeis Auftritt an der Spitze der Demonstrationsbewegung wäre die passende Gelegenheit dazu! Noch passender gehts eigentlich gar nicht! Vielleicht sind die Formulierungen in den Medien aber auch noch zu sanft.
Ich schlage mal folgende Schlagzeile vor:
BEWEGT EURE ÄRSCHE, IHR FEIGEN SÄCKE!
Und zwar nicht in der Bild, sondern in der Zeit, im SPIEGEL, etc. Also in dem, was die mehr oder weniger vermeintlichen Eliten so lesen.

Auch neue Möglichkeiten bei denen Europa helfen könnte, ergeben sich. Tunesien hat den verjagten Ex-Diktator Ben Ali zur internationalen Fahndung ausschreiben lassen. Die alten Regimevertreter vor Gericht zu stellen und auch juristisch das vergangene Unrecht aufzuarbeiten ist sicherlich eine gute Idee. Und das wäre doch unterstützenswert. Inzwischen haben wir in Europa u.a. dank der internationalen Gerichte in Den Haag mit so etwas Erfahrung. Man sollte den Tunesiern und jedem anderen arabischen Volk, das seinen Potentaten stürzt, Hilfe auf diesem juristischen Sektor anbieten - sei es beratend, oder vielleicht sogar in dem man ein internationales Gericht in Den Haag dafür einrichtet oder damit beauftragt. Es wäre ein deutliches Signal.

Der Wille zum Wandel, zu einem positiven Wandel, zeigt sich direkt vor unserer Haustür. Damit es ein Wind of Change werden kann, darf der Westen nicht tatenlos zusehen oder gar destruktiv handeln. Täte er es doch, würde sich nur endgültig zeigen, daß unsere Politiker ohne Vision, unfähig und dumm sind.
Und nicht alle in europäischen Regierungsvertreter haben dafür so gute Entschuldigungen wie Silvio, dessen Hirn nunmal chronisch unter Blutmangel leidet.

Freedom for Egypt! Yes!

Freitag, 21. Januar 2011

Vatikan verlangt mehr Sitte und Anstand

Silvio Berlusconi, Italiens oberster Stecher und Gigolo, ist in Nöten. Alle dreschen auf ihn ein. Parlamentarier, Ex-Ehefrau, Staatsanwälte, Medien - und wenn er es wünscht auch Domina Ruby.
Und jetzt auch noch der Heilige Stuhl!

Jawohl - der Vatikan verlangt mehr Sitte und Anstand...mehr Moral! Also jetzt in Politik und so. Laut Papstvertreter Bertone gehe es um "große Verantwortung vor allem vor den Familien, vor den jungen Generationen und mit Blick auf die Frage eines vorbildlichen Verhaltens".
Es hätte ja schließlich schon seinen Sinn, das man bitteschön erstmal das Zölibat auf sich nehme und Geistlicher werde, bevor man den Knüppel in Minderjährige schwingt.

Also etwas mehr Etikette bitte, Silvio!

Dienstag, 18. Januar 2011

Sensationelle Entdeckung von Paramantus: Der Guttenberg-Faktor!

Mein allseits beliebter Bloggerkollege Paramantus hat an überraschender Stelle, dem Biotop des Sexshops, trotz widrigster Bedingungen eine sensationelle Entdeckung gemacht:

Den Guttenberg-Faktor.

Der Guttenberg-Faktor bestimmt den Beliebtheitsgrad von Menschen - ganz unabhängig von wahren Absichten, Kompetenz oder sonstigen Fähigkeiten. Es wird erwartet, daß künftig immer mehr Politiker sich den Guttenberg-Faktor zulegen, um Wahlen auch ganz ohne Wahlprogramm gewinnen zu können.
Bisher gab es aus Kreisen der Fachwelt noch keine weitere Stellungnahme, sieht man die von Opa Knuddelwutz von der Parkbank gegenüber der Taverne ab, der über seine Flaschensammlung hinweggrummelte: "Fröher nannt' ma dat Krisma!"
(Notiz an Klein-Asmo: Gib dem Alten doch nicht immer den Gratis-Rum!).

Übrigens liegt auch die Beliebtheit der Taverne maßgeblich an meinem halben Guttenberg-Faktor. Ich hab kein Gel in der Tolle, dafür aber einen langen Namen. Gut merken, ich sage ihn nie wieder:

Gottimperator General Admiral Sir Stephanius Noriak Styx Ravenius Cäsar Primus Denny Crane Loken Sixtus Haggardus Shaitan Devilus Angelus Colonius Palaios El-Potenzo Abaddon Sebekus Hades Francis Harvey Biff Alveus Erich Wotan Foch Charles Lanrezac Re-Issus Edelweißer Pirat von Montgomery und Rhyolith

Oder kurz: Edelweißpirat.
Da seht ihr mal.

Dann steht der Weltherrschaft ja nix mehr im Wege.
Yoho!

Montag, 17. Januar 2011

Im Auge behalten: Tunesien

Ahoi!

Zuletzt schrieb ich hier ja über die aktuellen Ereignisse in Tunesien - verbunden mit Forderungen, was ich mir als Reaktion seitens des Westens und speziell der Europäer wünschen würde. Ich hab ja erst gedacht, ich wäre mit der Sichtweise doch etwas alleine, aber inzwischen scheint es entsprechenden Tenor sogar in unserer hiesigen Medienlandschaft zu geben, z.B. bei N-tv. Es geschehen also noch Zeichen und Wunder!
Man darf gespannt sein, was aus Westerwelles Ankündigung der Unterstützung der EU wird...ich befürchte ja fast - nix substantielles.
Und auch die Nachrichten aus Tunesien bleiben weiter spannend. Nicht nur, daß sich herauskristallisiert, daß die tunesische Armee offenkundig auf der Seite der einfachen Menschen zu stehen scheint - immerhin jagt sie Ben Alis Leibgarde und dessen Parteimiliz und Polizisten. Man kann vielleicht spekulieren, ob der Entzug der Unterstützung durch das Militär nicht den Ausschlag für Ben Alis Flucht gab.
Nein, die Übergangsregierung hat jetzt doch allen Ernstes verkündet, die politischen Gefangenen freizulassen.
Das durfte weitere Verbrechen des alten Regimes enthüllen - und die tunesische Bevölkerung noch mehr in ihrem Unwillen bestärken, sich das Erreichte nehmen zu lassen. Hoffnungen verbliebener Regime-Apparatschiks, das alles vielleicht doch noch aussitzen zu können, durften dann da hin sein.

Und das ist auch gut so!

Und fast noch früher, als man es für möglich hielt, scheint das tunesische Beispiel andere arabische Nationen zu inspirieren. Im Jemen gab es erste Proteste, die sich auf die Vorgänge in Tunesien beziehen. Unruhe wurde auch in Algerien, Ägypten und Jordanien verzeichnet, Gaddaffi in Libyen gab sich dünnhäutig. Eine zusammenfassende Analyse gab heute SPIEGEL online zur Angst der Despoten vor der eigenen Dämmerung.

Natürlich bleiben Probleme. So wünschenswert es wäre, wenn die Völker des Orients endlich für ihre Rechte aufstehen und sie sich erstreiten - und ich bleibe dabei: Der Westen sollte das unterstützen! - , so wenig ist derzeit klar, ob es schon zum Selbstläufer reicht oder was am Ende dabei rauskommt, wie sehr zurecht der Kölner Stadt-Anzeiger in seiner heutigen Ausgabe anmerkte.

Immerhin: Die Tatsache, daß sich die Wut der Tunesier bisher praktisch nicht gegen westliche Staatsbürger und Ziele richtete (außer wohl in einem Verwechslungsfall) ist ein Indiz, daß diese Protestbewegung nicht islamistisch unterlaufen ist. Noch nicht zumindest. Dies läßt hoffen.

An dieser Stelle wünscht die Tavernen-Crew (also ich, meine Stimmen und Klein-Asmo) den Tunesiern alles Glück und weiterhin soviel Mut, für ihre Rechte zu kämpfen.

Yoho, Pirat

Samstag, 15. Januar 2011

Wie Tunesien uns den Spiegel vorhält

Die Nachrichten dieses Wochenende sind erstaunliche.
Eine lange von den hiesigen Medien unter ferner liefen behandelte Revolte in Tunesien führt schließlich dazu, daß das dortige Regime stürzt. Selbst das Zusammenschießen von Demonstrationen hatte dem Potentaten nicht mehr helfen können. Jetzt herrscht zwar Chaos in Tunesien, aber noch könnte ein historischer Moment daraus werden.

Ob er das auch wird, hängt - in der Tat - auch vom Westen ab.

Die erste Lehre jedenfalls: Natürlich hat das Volk die Möglichkeit die Autokratien zu stürzen - wenn es endlich sauer genug ist, um auch den nötigen Blutzoll dafür zu zahlen und auch selbst aggressiver aufzutreten. Es wird sich zeigen, ob diese Botschaft in anderen Staaten ankommt. Sie könnte zum Beispiel bei der iranischen Opposition zu einem Umdenken führen. Man darf spekulieren, ob die iranische Führung den Aufstand der "grünen Bewegung" so einfach hätte ersticken können, wenn diese weniger friedlich gewesen wäre. Wahrscheinlich nicht. Selbiges gilt auch für das Aufbegehren vor einiger Zeit in Myanmar. Eine autokratisch-diktatorische Regierung läßt sich nicht mit nettem Bitten hinwegfegen (jedenfalls höchst selten). Vor diesem Hintergrund hatte Hilary Clinton die Tage recht: Das sollte allen Regimen im Nahen Osten eine Warnung sein.

Die zweite Lehre: Wir sollten die nach Freiheit begehrenden Völker nicht sich selbst überlassen. Einmal, damit aus dem chaotischen Zustand während des Machtübergangs kein Dauerzustand wird, wie man ihn etwa in Somalia kennt und den sich die EU z.B. vor ihrer Haustür erst recht nicht leisten kann.
Wenn jetzt noch irgendein friedensbewegter, aufs nächste Wahlergebnis schielender und nur daran, daß alles möglichst schnell aus den Nachrichten verschwindet, interessierter europäischer Politiker glaubt, man brauche nur abzuwarten und ein paar wohlfeile Worte was man "erwartet", "erwünscht" oder "voraussetzt" und wozu man "auffordert" von sich zu geben (so wie heute erst Kanzler Merkel), der irrt.
Schon jetzt beäugt die tunesische Opposition die Übergangsregierung mißtrauisch - mit gutem Grund. Es besteht aller Grund zur Annahme, daß diese Übergangsregierung, rekrutiert aus dem Personal des alten Regimes, Wege suchen wird, das alte Regime unter neuem Etikett fortzuführen. Nur: Die Menschen auf der Straße werden das nicht mehr tolerieren. Sie wissen jetzt, wie man die da oben los werden kann. Außerdem sind Teile des Sicherheitsapparats augenscheinlich bereits kollabiert. Das bedeutet: Jeder Restaurationsversuch provoziert wahrscheinlich einen Bürgerkrieg.
Mit allen Folgen für Europa: Flüchtlingsströme, Gefährung nahebei liegender Handelswege, organisierte Kriminalität (Waffenschmuggel etc.).
Deswegen müssen sich die europäischen Staaten einmischen und Partei ergreifen - Partei für die MENSCHEN, die nach FREIHEIT verlangen, selbst zu entscheiden. Wir können das nicht der UNO oder den USA überlassen, denn hallo - Tunesien liegt vor der Haustür Europas und damit sollte Europa auch Verantwortung übernehmen. Über die NATO ließe sich weiterer politischer Rückhalt verankern (schließlich sind die meisten NATO-Mitglieder auch EU-Mitglieder).

Es gäbe da eine ganze Reihe von Dingen, die man in Angriff nehmen könnte. Z.B. könnten Merkel, Sarkozy, Rompuy und Cameron bei der tunesischen Opposition anrufen und ganz unverblümt fragen: Womit können wir euch helfen? Ihr braucht es nur zu sagen! Oder man könnte alle Regimekonten einfrieren und die Gelder zur Unterstützung der Kräfte in Tunesien einsetzen, die sich für die Menschen einsetzen. Die OSZE könnte Berater und Beobachter entsenden. Und ja, man könnte sogar soweit gehen der Übergangsregierung mal an den Kopf zu werfen: Wenn ihr versucht wieder ein unterdrückerisches Regime zu etablieren, so viele Kampfflieger haben wir noch, euch eins auf die Fresse zu geben, wenn ihr wieder auf das einfache Volk feuert.
Je nachdem wie schwierig die Verhandlungen der politischen Kräfte in Tunesien werden könnte man ihnen auch einen neutralen (nicht-tunesischen) Verhandlungsort anbieten.
Es gäbe eine Fülle von Möglichkeiten. Ich bin sicher, Fachleuten mit mehr Landeserfahrung fiele noch mehr oder besseres ein. Nur sollte man bei uns endlich in diese Richtung denken.

Nur fürchte ich ja fast, daß das nicht passieren wird. Aus Angst vor den Folgen. Denn es ist ja doch sehr bequem mit den bisherigen Regimen, die einem kurzfristig Ruhe vor den Problemen da unten verheißen. Würde man jetzt aber Partei für das einfache Volk da unten ergreifen, müßten all diese Regime noch mehr fürchten, hinweggefegt zu werden - denn wenn der Westen sie fallen läßt und sich auf Volkes Seite stellt, wären ihre Tage gezählt. Und viele der nur bis zur nächsten Wahl denkenden Politiker fürchten die daraus erwachsenden komplexen neuen Probleme. Nur - was haben uns denn die bisherigen Regime dort unten gebracht? Armut und dadurch immer mal wieder Flüchtlingsströme. Eine mittelfristige bis langfristige Instabilität, da bestehende Probleme nur unter den Teppich gekehrt, aber nicht gelöst werden. Und: Die Menschen da unten wissen, daß diese Regime vom Westen gestützt werden. Deshalb wenden sie sich der einzigen anderen Kraft zu, die ihnen Unterstützung verheißt. Den Islamisten. Und da dann eben auch Al Qaida. Deshalb werden bei halbwegs freien Wahlen dann auch diese Kräfte gewählt. Solche Wahlergebnisse (wie im Gaza-Streifen) werden häufig bemüht um die Demokratiefähigkeit der dortigen Menschen in Frage zu stellen.
Das ist anmaßend. In Wirklichkeit versuchen die Völker des Nahen Ostens nur eine bessere Zukunft unter wenig erquicklichen Alternativen zu finden.
In Tunesien könnte man beginnen diese fehlgeleiteten Sichtweisen und Politikansätze zu korrigieren. Man könnte sich offen auf die Seite des dortigen Volkes stellen - auch im eigenen Interesse. Daneben, daß man dann wahrscheinlich recht bald ein freieres und stabiles politisches System in einem beliebten Urlaubsland hätte, gäbe es weitere bedenkenswerte positive Punkte:
Man verhindert einen weiteren Konfliktherd, der von Al Qaida parasitär infiziert werden könnte.
Ich bin sicher, die Tunesier würden es den Europäern und dem Westen danken. Z.B. indem sie eher moderate und nicht zu anti-westliche Parteien in den hoffentlich aushandelbaren Wahlen ins Parlament bringen.
Man würde beweisen, daß man bereit ist den dortigen Menschen beim Aufbau einer besseren Zukunft zu helfen. Abgesehen davon, daß man damit endlich mal wieder den eigenen oft verkündeten Prinzipien folgen würde, würde man damit einem ganzen Argumentationsstrang der Islamisten und der Al Qaida das Wasser abgraben. Der Al Qaida würde man dadurch wahrscheinlich mehr schaden wie durch jede Invasion eines geschundenen Landes. Und das vor allem wesentlich billiger.
Jedes Land, das dann von seinem eigenen Volk mit unserem Rückhalt von einem solchen Regime befreit wird, könnte sich durch wirtschaftliche Reformen ganz neu entwickeln - was letztlich auch uns in einer globalisierten vom freien Handel bestimmten Welt nützt. Tunesien könnte dafür Vorbild werden.

Aber dafür müßte man natürlich in den politischen Pseudoeliten der EU auch nur einen Bruchteil des Mumms in den Knochen haben, den die Tunesier gezeigt haben.

Yoho, Pirat

Freitag, 14. Januar 2011

Die Kehrseite der Segnungen

Wir in der Taverne sind sehr auf die Sicherheit unserer Gäste bedacht. Regelmäßig besprechen Klein Asmo und ich den Stand der Sicherheitsmaßnahmen - Notausgang, Feuerlöscher etc.
Neulich haben wir beschlossen, daß Angebot verschiedenster Religionsgruppen, die unsere göttliche Mission der Menschheitsaufklärung begriffen hatten, uns zu segnen, aus Sicherheitsgründen abzulehnen.
Das hat einen einfachen Grund: Segnungen sind ein Sicherheitsrisiko.
Kaum zu glauben?
Nun, es wurde auch uns erst neulich beklemmend deutlich.

In Köln haben wir ja bekanntermaßen den Kanalmeister (für Außenstehende: Kardinal Meisner),. seines Zeichens Hassprediger Nummer 1 am Nabel der Welt (für Außenstehende: Köln). Irgendjemand hatte die Idee, den Menschen eine Straßenbahn segnen zu lassen. Wahrscheinlich damit  der Kanalmeister auch mal wieder an die frische Luft kam und für ein paar Minuten von Traktaten wider die unnatürliche Unzucht (für Normaldenkende: Homosexualität) und den neuen Holocaust (für Sachorientierte: Alles was mit Vorsorgeuntersuchungen an Embryonen etc. zu tun hat) abgelenkt war.
Gesagt getan, der Kardinal segnete eine neue Straßenbahn. Diese besaß ein Logo des Zentral-Dombau-Vereins. Quasi doppelter göttlicher Beistand, sollte man meinen.
Nur drei Tage später (ein Schelm, der an die Wiederauferstehung denkt) krachte besagte Bahn vergangenen Dezember dann prompt in einen Pkw.

Im Umfeld des Kardinals hofft man jetzt von Schadensersatzprozessen verschont zu bleiben. Oder gar vom Bannstrahl aus Rom. Denn das Vorkommnis könnte die Leute darauf stoßen, daß Segnungen nicht gut für die Sicherheit und Gesundheit sind. Ich meine, wie soll man das sonst erklären? Es gibt schließlich ein noch schlagenderes Beispiel. Die Welt.
Zu Ostern und zu Weihnachten segnet der Papst "Urbi et Orbi" (die Stadt und den Erdkreis). Und? Mal was aufgefallen? In Rom erregiert ein perverser, notgeiler alter Sack und der Zustand der Welt...äh...muß man noch mehr sagen?

Wir lassen uns also nicht mehr so einfach segnen. Am Ende geht uns noch der Rum aus.

PS: Vor Jahren wurde ein guter Freund von mir aufm Weltjugendtag in Köln gesegnet. Sein Kommentar danach: "Und wie werd ich das jetzt wieder los?"
Aber keine Bange. Er lebt noch.

Dienstag, 11. Januar 2011

Dioxine zu Besuch.

Eine Taverne hat viele Gäste. Nicht alle sind angenehm. Die meisten unangenehmen kann Klein Asmo bei uns an der Tür aufhalten. Aber manche sind so unauffällig und flüchtig, daß sie einfach eben doch reinkommen.
Und dann vor mir an der Theke sitzen und mir ihr Leid klagen.

So zum Beispiel neulich. Eine blaße graue Maus mit glatten Haaren und relativ flachen Brüsten hockte zusammengesunken und deprimiert in der hintersten Ecke. Sie bestellte aber keinen Alkohol, nur Wasser.
Es war nicht viel los, also dachte ich mir: Fragst mal was los ist.

Mit traurigen Augen blickte sie mich an.
„Ach…die Welt ist scheiße!“
„Wieso denn?“
„Ich saufe Wasser wie ein Loch und es löst mich einfach nicht…das geht irgendwie nur mit Fett und das finde ich eklig…und überhaupt…mir kann eh keiner helfen!“
Ich wunderte mich kurz über die wundersame Fettanspielung und widerstand der Versuchung ihr das Zeug aus der Friteuse anzubieten. Also fragte ich:
„Was ist denn passiert?“
Sie hielt sich den Kopf.
„Alle Welt haßt mich. Ich dachte das schlimmste hätte ich hinter mir, aber jetzt geht’s wieder los. Alle mobben mich. Schädlich, Giftspritze, krankmachend werde ich tituliert. Und das nur weil ich gerne Eier mag.“ Sie schüttelte den Kopf. „Können Sie sich vorstellen, wie man sich da fühlt? Dabei kann ich doch gar nix dafür. Ich wollte ja nicht mal in dieser Welt sein!“

Irgendwie tat mir die Kleine leid. „Wann hat denn das Ganze angefangen?“
Sie zuckte die Schultern. „Irgendwann vor 60 Jahren fingen sie an mich zu beschimpfen, obwohl ich nur wegen ihnen auf der Welt war.“
Ich verstand verschiedenes nicht und fragte erstmal das naheliegende: „60 Jahre? Sie sehen doch grad mal aus wie Mitte 20.“
Sie kicherte. „Ja, dabei bin ich schon mindesten knapp 140. So genau weiß ich das nicht mehr….ich weiß nur, daß ich ein ungewolltes Kind war, viele würden sagen: Eine nutzlose Mißgeburt.“
„140???“
„Ja. Ich altere kaum. Und bin praktisch unsterblich. Das ist ja das Problem. Und überall auf der Welt bin ich schon gewesen und nirgendwo will man mich.“
Wieder sah sie mich so traurig an.
Schließlich seufzte sie.
„Ich sollte besser gehen.“ Sie lächelte flüchtig. „Bevor ich Ihrem Laden schade. Der ist nämlich sehr hübsch.“
Sie legte einige Euromünzen und einen Schein auf die Theke.
Als sie aufstand, mußte ich fragen:
„Eine Frage noch: Wer sind Sie denn?“

In der Tür drehte sie sich um: „Man nennt mich Dio Xine.“
Dann war sie fort.
Ich starrte auf das Geld.
Und starrte…und starrte…

„BRING MAL EINER EINE KNEIFZANGE!!!“

Montag, 10. Januar 2011

Anamorph

Es wird mal wieder Zeit, in der Taverne einen Filmabend zu machen dachte ich mir, fuhr zu einem Kumpel mit exquisiter Filmsammlung und wurde fündig. Der Film entsprach so getreu dem Motto der Taverne für mehr Durchblick, das ich ihn nun empfehlen möchte.

Es handelt sich um den Film "Anamorph - Die Kunst zu töten" aus dem Jahr 2008 - ein dermaßener Insidertip, das es in der deutschen Wiki nichtmal einen Artikel dazu gibt. Regie führte Henry S. Miller.
Der Film ist ungewöhnlich. Er verzichtet auf praktisch alle selbst in Psychothrillern heute zumindest sporadisch vorkommenden Action-Elemente. Von den reinen direkten Sachhandlungen der Personen her könnte er als fast schon langweilig gelten. Das ist aber Absicht - Miller erzielt damit in Kombination mit düsterer, oft drückender Optik, verzerrten Bildern und sogar streckenweise 70er-Jahre-Krimi-Farben sowie dem ebenso düsteren Plot eine dichte Atmosphäre. Der Zuschauer muß sich nicht nur mit dem Serienkiller befassen, sondern auch mit der Hauptfigur.
Die Hauptfigur ist ein psychisch deutlich angeschlagener Police Detective, gespielt von Willem Dafoe. Ich bin ja sowieso großer Dafoe-Fan. Ich mag seine intensive Spielweise und die Vielfalt der Rollen, die er spielen kann. Auch hier brilliert er wieder. Detective Stan Aubrey ist eigentlich am Leben gescheitert, nun muß er einen Serienkiller faßen, der deutlich mit ihm spielt und zu spät bemerkt Aubrey, das er selbst zum Ziel geworden ist. Der Killer gestaltet seine Morde als Kunstwerke - auf erschreckend aufwendige, abstoßende wie faszinierende Weise. In diese Kunstwerke eingearbeitet sind Anamorphosen- derart verzerrte Bilder, das man sie erst unter einem bestimmten Blickwinkel (meist einem sehr flachen) oder in einem Spiegel erkennt. (Wiki-Erläuterung hier: Anamorphose).
Die Verbindung zwischen Aubrey und dem Killer begreift man genau wie die Hauptfigur nur allmählich. Am Ende ist der Film nicht nur die Suche nach einem Serienmörder (Jagd würde zu viel Action implizieren), sondern auch ein Psychogramm Aubreys, der sich an seinen Schuldgefühlen abarbeitet.

Das Ende verrate ich hier nicht. Es sei aber versichert: Wer mal einen anderen Film sehen will, ist bei Anamorph gut aufgehoben.

Wer sich genauer informieren und nix dagegen hat das Ende zu erfahren kann hier mehr lesen:
Anamorph - englische Wiki.

Yoho und Film ab!

Dienstag, 4. Januar 2011

Ene mene Miste, was rappelt in der Kiste...

Kisten und Verpackungen sind was tolles, finden zumindest grundsätzlich meine Katzen....und Klein Asmo (er wohnt ja in seinen Pausen in einer). Auch für den Konsumenten sind Verpackungen immer wieder etwas mit Spiel (wie krieg ich das auf? mal sehen...), Spaß (es einfach zerreißen....stirb, Du Kiste!) und Überraschung (ist auch wirklich drin was ich bestellt hab?).
Und des öfteren kann man sich als Verbraucher dann nur wundern.

Einer guten Freundin widerfuhr neulich genau sowas. Da kratzt man sich echt nur den Kopf. Sie hatte bei einem Haustierbedarfsanbieter (ums mal so zu nennen) zwei Packungen Katzenstreu und ein Katzenspielzeug bestellt.

Beides wurde dann in zwei Kisten geliefert:

Na, in welcher Kiste würde man wohl das Katzenstreu vermuten? Naaaaa?
*Trommelwirbel*
Hier die Auflösung!


Halten wir fest: Ein Katzenspielzeug verlang ganz dringend mehr Platz als zwei Tüten Katzenstreu. Wahrscheinlich sorgt der Lufttransport für einen Ausgleich bei der CO2-Steuer oder sowas in der Art. Man darf wohl hoffen, daß die Luft dem Kunden nicht berechnet wurde.

Und es ist auch keine optische Täuschung...die linke Kiste ist wirklich kleiner! Hier der Beweis:

Das ist nunmal ein Wunderwerk moderner Logistiktechnik. Schließlich hat der Versandt mit Verpackungen gespart: Der überschüssige Raum um das Katzenspielzeug wurde nicht mit Styropor aufgefüllt. Sehr fortschrittlich. Wie wir sehen ist da eine Firma im 21. Jahrhundert angekommen.