Donnerstag, 24. Februar 2011

Wenn der dicke G. über den zu G.

Nein, nicht G-Punkte. :P
Was habt ihr denn wieder gedacht.

Ich hab heute mich getraut bei der Bundestagsdebatte einzuschalten. Da stand der dicke G(abriel) und wetterte gegen den zu G(uttenberg).
Er stellte eine interessante Frage. Er fragte an Bundeskanzler Merkel gewandt, ob denn die Charaktereigenschaften von jemandem überhaupt noch ein Einstellungskriterium für einen Minister seien.

Werter Gabi. Die Frage ist falsch gestellt. Sie müßte höchstens lauten, wann das endlich mal der Fall wäre, da es bisher nie der Fall war. Wir Wähler gehen da schon lange nicht mehr von aus, sonst müßten sowieso so ziemlich alle in der Regierung und im Parlament ihren Hut nehmen. Allen voran sie, Sigmar Gabriel. Sie haben mich bislang nicht durch besonderen Anstand oder so beeindruckt.

Dann beschwerte sich Gabi, es sei doch so offensichtlich, daß der Gutti ein politischer Hochstapler ist.
Werter Gabi. Das ist so eine überflüssige Aussage. Wir Wähler gehen doch eigentlich längst davon aus, bei eurem Haufen. Wen wollen sie mit so einer Feststellung des offensichtlichen noch beeindrucken?
Wirklich überrascht und beeindruckt wären wir, wenn mal einer der Abgeordneten seinen politischen Gegner als ehrbaren integren Menschen vor versammeltem Hause bezeichnen und das ernst meinen würde. Und zwar nicht beim Nachruf.
Denn das gabs glaub ich tatsächlich noch nie und damit rechnet hier im Wahlvolk auch niemand mehr...

Damit piratige Grüße ans Bundestagsplenum. Denkt vielleicht mal drüber nach.

Dienstag, 22. Februar 2011

Glosse: Sturm über Libyen

Was noch im Januar undenkbar schien, ist inzwischen Realität geworden:
Die Regimes in Tunesien und Ägypten sind gestürzt, beide Länder befinden sich in einer revolutionären Übergangsphase. In Algerien gibt es Unruhen, in Marokko wird friedlich demonstriert, der jordanische König macht den Demonstranten Zugeständnisse, die jemenitische Regierung wankt, in Bahrain ist Blut geflossen. Sogar der Iran hat wieder Protestaktionen zu verzeichnen und die Hamas fürchtet Proteste im Gazastreifen.
Und in Libyen - ist Bürgerkrieg.

Diese Szenerie genauer betrachtet offenbart einmal mehr die Schwächen und Fehler der westlichen, inzwischen speziell auch europäischen Politik. Nachdem die Versuche Ben Alis und Mubaraks, mit Gewalt und Einschüchterung die Rebellion einzudämmen gescheitert waren, da die eigentlich friedlichen Demonstranten sich wehrten und vor allem die Militärs nicht aufs eigene Volk schießen wollten, zogen die Herrscher der anderen arabischen Staaten vor dem Hintergrund der nicht sehr nachdrücklichen Statements aus Europa und den USA unterschiedliche Schlüsse.
Das Herrscherhaus in Jordanien war schon immer etwas weltoffener gewesen. Kein Wunder, daß man dort bisher am wenigsten von Unruhen hört. Weil der König nicht schießen läßt. Im Jemen schlenkert die Regierung mit ihrem Kurs zwischen nachgiebig und niederknüppeln hin und her - was auch daran liegen durfte, daß sie kaum mehr als die Hauptstadt wirklich kontrolliert.
In Bahrain und Algerien dagegen zog man ganz andere Schlüsse. Man versuchte es mit - noch mehr Gewalt. Wenn die Maßnahmen in Tunesien und Ägypten nicht reichten, dann muß man eben aufsatteln. In Algier wurde geknüppelt bis der Schädel platzte,. in Bahrain scharf geschossen. Die Aufrufe der Europäer zum Gewaltverzicht - wer soll die denn in dieser Situation ernst nehmen? Die Europäer gehen hier mit einem falschen Menschenbild ran. Sie gehen davon aus, daß das positive eines Gewaltverzichts doch für jeden offensichtlich sein müßte. Und erwarten diese Einsicht ausgerechnet von Despoten, bei denen man bislang wissend wegschaute.
Interessanterweise schwenkte Bahrain vorläufig nach zwei Tagen der Ballerei auf eine nachsichtigere Gangart wieder um. Zufall? Wohl kaum. In Bahrain hat die US Navy ihren größten Stützpunkt im Golf. Die Amerikaner werden hinter den Kulissen sehr deutlich gemacht haben was sie von Massakern an Demonstranten halten.
Einmischung? Natürlich! Aber das ist genau die Art Einmischung die tatsächlich nötig ist!

Tunesien zeigte was passiert, wenn man nicht schnell genug eine politische Perspektive entwickelt um den im Umbruch befindlichen Staaten zu helfen - Flüchtlinge kamen übers Meer. Erst nach Hilferufen Italiens war man auf einmal hektisch dabei Hilfsangebote an die demokratischen Kräfte in Tunesien und Ägypten zu formulieren, damit dort möglichst schnell eine Perspektive für die Menschen entsteht. Zwar immer noch alles zu wenig, zu wage, typisch europäisch halt, aber immerhin.
Nur gelernt für die nächsten Fälle hat man immer noch nicht. Und das zeigt Libyen.

Libyens Diktator Gaddaffi hat sehr richtig erkannt: Außer Larifari-Statements hat er von den Europäern nichts zu befürchten. Und so kam er zu dem Schluß, die Revolte mit noch mehr Gewalt eindämmen zu wollen - im Wissen, daß er ja nix von außen zu befürchten hat. Da werden dann auch mal Kampfflugzeuge gegen Demonstranten eingesetzt. Und was macht Europa? Natürlich nix. Kriegt nicht mal  Sanktionen zustande, die feige Bande. Das einzige was in Gaddaffis Rechnung nicht aufging: Die nach Freiheit dürstenden Menschen wehren sich.
Dummerweise scheinen sich in Libyen jetzt Folgen der verfehlten europäischen Politik zu zeigen, die uns kaum gefallen können:
Islamisten scheinen sich dort erstmals prägnanter mit in die Vorgänge einschalten zu wollen. Wie radikal diese sind, wird sich zeigen müssen. Und: Die Explosion der Gewalt ist schon jetzt ein Bürgerkrieg und könnte aus Libyen einen Fallen State machen. Und das alles nur weil der Westen seinen Arsch nicht hochbekommen hat.
Noch schlimmer: Die Informationen aus Libyen sind sehr wage, da die dortige Situation bisher medial kaum im Blick war. Auch die westlichen Regierungen scheinen etwas ratlos.

Dabei zerfällt das Regime erkennbar. Libysche Kampfflieger flogen am Montag nach Malta, desertierten, um in der EU Asyl zu finden, damit sie nicht auf eigene Landsleute schießen müssen. Sie flogen nicht nach Ägypten oder Tunesien oder sonst wohin, sondern in den Westen. In die EU. Doch nicht ohne Grund - dies war auch ein Signal: Helft uns! An wen sollten sie sich sonst wenden? Da schon viele libysche Diplomaten zu den Rebellen übergelaufen sind, könnte man über sie sicherlich Kontakte nach Libyen knüpfen, die das Blutbad beenden könnten.
Bisher wurde nichts bekannt, daß sowas genutzt würde. Vielleicht ja die Tage. Es fallen ja grad die Aktienkurse von Ölkonzernen. Es wäre ziemlich entlarvend, wenn das auf einmal zu erhöhter westlicher Aktivität führen würde.

Übrigens schützten die Amerikaner einmal 10 Jahre lang die nordirakischen Kurden mit einer Flugverbotszone gegen Saddam Hussein. Die Kurden danken es ihnen bis heute. Angesichts von Kampfflugzeugen, die in Libyen auf Demonstrationszüge schießen, würde ich mir eine ähnliche Maßnahme dort wünschen.
Ich bin fest davon überzeugt, die libysche Bevölkerung würde es danken. Soviel Grips darf man den Menschen dort zutrauen zu erkennen, daß man ihnen damit die Kampfflieger des Regimes vom Leib hält.
Aber in Europa das immer gleiche heuchlerische Mantra von Friedfertigkeit und Nichteinmischung runterzubeten ist wahrscheinlich billiger.

Ich hoffe für die Libyer, daß sie möglichst schnell die Kurve zu friedlichen Verhältnissen ohne Gaddaffi kriegen.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Fotos und Grafiken - Netzfundstücke des Piraten

Ahoi!

Als Pirat segle ich auf der Suche nach neuen Rumvorräten für die Taverne natürlich reichlich im weltweiten Netzmeer und stolpere über so manches Treibgut. Das meiste ist Schrott, aber es gibt doch immer wieder was, das mich gefesselt, inspiriert und beeindruckt hat. Ich dachte mir, ich stelle mal drei solcher Seiten vor - alle haben mit Grafiken und Fotografie zu tun. In beiden Bereichen bin ich blutiger Laie, aber ich bewundere die Ergebnisse - ein schönes Bild küßt das Auge und ist Balsam für die Seele und eine tolle Grafik erregt den Geist.

Bilder von Cleothia
Eine noch sehr junge Seite einer überaus attraktiven Dame aus Berlin, die sich gerne vor der Kamera zeigt und neuerdings auch selber fotografiert. Ausdrucksstark und vielseitig, wird sich kaum jemand dem Reiz und der stilvollen Erotik von Cleothia entziehen können. Persönlich hoffe ich, daß Cleothia noch lange weiter vor der Kamera steht und ihrer Seite der Erfolg nicht verwehrt bleiben wird.

Froweminahild - Fotos, Manipulationen und Grafiken
Deviantart ist ja in letzter Zeit sehr bekannt geworden und es gibt viele dort, wo man sich fragt, das soll Kunst sein...in diesem Fall jedoch steht das - für mich zumindest und einen inzwischen existenten Fanclub - außer Frage. Froweminahild ist auch als MAdemoiselleMeli bekannt, stammt aus dem Saarland und für Eingeweihte längst ein Geheimtip für tolle Shooting-Bilder und Grafiken. Ihre natürliche Schönheit und Ausstrahlung verleihen selbst den überarbeiteten Bildern ein ganz besonderes Flair. Eine besondere Freude ist mir die Empfehlung ihrer Seite auch zugegebenermaßen deshalb, weil ich bereits die Ehre hatte sie live kennenzulernen - als eine nicht nur schöne, sondern auch sehr charmante und liebenswürdige Frau. Ja, Pirat ist Meli-Fan. Mal sehen, vielleicht hängen wir einige ihrer Werke ja mal in der Taverne auf. *G*

Murdoc the Psycho - Grafiken der besonderen Art
Auch die Werke dieses Pixel-Künstlers könnte man sicherlich mal in der Dark Tavern aufhängen. Murdoc ist schon länger im Pixel-Schubser-Geschäft und steht seltener selber vor der Kamera - dafür sehr oft hinter ihr und er hat ein Auge dafür, seine Models gekonnt in Szene zu setzen. Meistens shootet er im süddeutschen Raum. Außerdem bastelt er aus genehmigten Vorlagen und eigenen Fotos zum Teil sehr düstere und psychedelische, aber stets wunderbar abgestimmte Grafiken, wie ich sie ähnlich bislang nur selten sah. Nicht jedes Werk ist natürlich immer mein Geschmack, aber dafür entschädigt jedes Werk von Murdoc, das mich begeistert hat und das sind nicht wenige.

Alle drei Models und Künstler seien gegrüßt - macht weiter so!

Yoho, Pirat

Mittwoch, 16. Februar 2011

Gefüllter Chikoree "Pirat"

Ahoi - es wird Zeit die Speisekarte der Taverne zu erweitern! Heute - mal der etwas andere Chikoree.

Wir brauchen:
Chikoree (Menge je nachdem wie viel man schafft; minimum 2)
Hackfleisch (Minimum 250 g, an die vorhandene Menge Chikoree anpassen)
Tomaten-Basilikum-Soße
Zwiebeln
Käse (am besten Gouda)
Schinkenscheiben
Gewürze: Pfeffer, Salz, Paprika, etwas Curry, Kräuter dazu (Thymian, Oregano, Basilikum, gemischte, je
nach Geschmackspräferenz), Knoblauch

Zubereitung:
Chikoree gut waschen und in Hälften schneiden, den bitteren Strunk herausschneiden.
Zwiebeln und Knoblauch kleinschneiden. Diese zum Hackfleisch geben, zusammen mit den Gewürzen und Kräutern (Menge je nach persönlichem Geschmack). Alles gut vermengen. Dann mit dieser Masse die
Chikoree-"Schiffchen" füllen. Jedes derart gefüllte "Schiffchen" sodann mit einer Schinkenscheibe ummanteln
und in eine Auflaufform legen.
Wenn genügend in Schinken gehüllte gefüllte Chikoree-Schiffchen in der Auflaufform sind, die Tomaten-Basilikum-Soße möglichst gleichmäßig dazugeben und verteilen. Anschließend eine Prise Paprika und nochmal frische Kräuter darüber streuen.
Das Ganze dann mit Käse bedecken.

(überschüssiges Hackfleisch kann als kleine Bällchen in die Lücken zwischen den Schiffchen in die Auflaufform gegeben werden)

Das Ganze dann im vorgeheizten Ofen (200 Grad Celsius) etwa 30-45 Minuten (hin und wieder mal schauen wie es sich entwickelt) garen lassen.

Überschüssiger Chikoree kann ohne weiteres mit Feldsalat und Zwiebeln und einem Dressing aus Essig, Öl, Pesto und Senf zu einem grünen Salat verarbeitet werden, der wunderbar als Beilage paßt.
Dazu sind Nudeln zu empfehlen.

Man genehmige sich dazu einen lieblichen oder halbtrockenen italienischen Rotwein.

Wohl bekomms, Yoho, Pirat

Sonntag, 13. Februar 2011

Das Ende alternder Herrscher

Viel wurde seit jeher über den Dominoeffekt in der Weltpolitik schwadroniert. Einst glaubten die Amerikaner, wenn in einer Region ein Land kommunistisch würde, würden es auch alle anderen werden.
Aber nicht nur Kommunismus ist ansteckend, Freiheit auch.
Ben Ali in Tunesien war der erste der gehen mußte. Der Dominoeffekt zieht nun immer weitere Kreise, immer mehr alternde Herrscher mit 10, 20 oder 30 Jahren Regierungszeit müssen gehen.

Im folgten nun Mubarak in Ägypten, bald womöglich Bouteflika in Algerien - und sogar die eisernste Säule alternder Herrscher mit Personenkult geht nun: Thomas Gottschalk verläßt "Wetten das...?" Er soll noch heute mit einem Hubschrauber zu seiner Villa in Sharm el Sheikh ausgeflogen werden, wo er zu einer letzten Wette mit Ex-Präsident Mubarak antritt:
Wetten, daß er, Thomas Gottschalk, immer noch mehr leere Worthülsen und realitätsignorierende Sprachschablonen in einer 17minütigen Rede unterbringen kann, als der ägyptische Ex-Präsident?

Auch aus Italien gibt es neues, auch dort soll der Despot gestürzt werden - die Prostituierten-Gewerkschaft kündigte bereits einen unbegrenzten Streik an. Dies gibt Hoffnung: Laut ärztlichen Angaben könnte ein Samenstau bei Silvio zu spontanem tot umfallen führen.

Freitag, 11. Februar 2011

Champions: the people - Loser: Mubarak

Tja. Peinlich aber auch, Herr Mubarak. Erst nicht gehen wollen. Und es einen Tag später doch tun.
Jetzt wirds spannend. Es ging ja doch friedlich. Zum Glück! Was draus wird, wird sich jetzt erst zeigen, aber hier in der Taverne drücken alle die Daumen.
Erstmal ist in Kairo jetzt Party angesagt. Und morgen die Zukunft.

Today: Party - Tomorrow: Future.

Der Kleine Asmo bat darum, schon vor Tagen, in diesem Moment wieder ein Lied aufspielen zu durfen.
Kein Prob. DJ Klein-Asmo, übernehmen sie.

Danke, Captn. The next song is for all egyptians who have fought about three weeks for their freedom. This day is your day - it's your victory and you, the people, are in this moment, now, the champions.



With Congratulations and best regards from Cologne, Germany. 

Donnerstag, 10. Februar 2011

Geduld? Vertrauen!

In diesen Stunden hocken wir in der Taverne mal wieder vor den Live-Bildern vom Tahrir-Platz. Man wartet auf die Rede von Mubarak und hofft er erklärt seinen Rücktritt. Zumal Klein-Asmo seinen Monatslohn drauf gesetzt hat (er ist halt nen kleiner Zocker).

In den letzten Tagen überboten sich alle Experten und politischen Kräfte hierzulande mal wieder mit lauen Solidaritätsstatements - die Bundestagsdebatte zum Thema war vielleicht unterhaltsam.
Die häufigsten Satzhülsen dieser Tage dabei:
"man müsse Geduld haben"
"ein schrittweiser Übergang"
"ein geordneter Übergang"
"langsam, Schritt für Schritt"
und ähnliches.

Ehrlich gesagt erinnerte mich das ein wenig an Eltern, die ihren 15jährigen Kids nahelegen, doch bloß nix beim ersten Mal zu überstürzen. Schließlich sei ja noch Zeit. Vorsichtig müsse man vor allem sein. Und alles was schnell geht, kann ja nicht vorsichtig sein. Und am besten denkt ihr überhaupt an Sex erst wenn ihr 70 seid! Frühestens! Ihr baut ja sonst sowieso nur Mist! Und werdet ungewollt schwanger!
Das in über 90 % aller Fälle die Befürchtungen völlig umsonst sind schreckt Eltern nicht, den erhobenen Zeigefinger zu haben.
So ungefähr wird sich hier grad gegenüber dem ägyptischen (und tunesischen) Volk aufgeführt.

Da hätte ich dochmal ein paar Denkanstöße. Nirgendswo steht geschrieben, daß nur ein langsames Vorgehen vorsichtig ist. Das ist so ein typisches Denken von jenen, die - wie wir hier im Westen - im gemachten Nest sitzen und deswegen bei Veränderungen lieber nicht zu viel riskieren oder verändern wollen. Deswegen gibts bei uns auch keine wirklichen Revolutionen mehr.
Auch geordnete Übergänge sind ein Denkkonzepte aus einer Welt, in der alles durch Regeln und Verordnungen sowieso gut sortiert und vorgegeben ist. Ich möchte jetzt ja nicht kleinlich und undeutsch erscheinen, aber es hat noch nie eine Revolution gegeben, die sich irgendwie an Vorschriften gehalten hätte.

Ein weit verbreiteter Einwand ist, das ägyptische System wäre doch gar nicht für einen schnellen Wechsel bereit. Stimmt, das sind die wenigstens diktatorischen Systeme. Weil sie den Wechsel nie vorsehen.

Mit den Argumenten hätte man noch jeden gesellschaftlichen und politischen Umbruch wegrationalisieren können - angefangen von der Französischen Revolution bis hin zur deutschen Wiedervereinigung. Das die ägyptische Regierung ins selbe Horn bläst, beweist nicht die Richtigkeit dieser Argumente, sondern nur, daß das Regime Angst um seinen Arsch hat. Und je langsamer der Übergang vonstatten geht, umso mehr Chancen bieten sich dem Regime, das Rad der Geschichte wieder zurückzudrehen. Das entsprechende Gedankenspiele im Regime gewälzt wurden, davon darf man ausgehen - DESHALB auch triggern die Demonstranten das Tempo der Revolution!
Wie wärs mal den Blickwinkel zu ändern? Statt auf die fraglos vorhandenen Risiken auf die Chancen zu schauen - und den Ägyptern wo immer sie das möchten zu helfen, die Risiken zu minimieren und die Chancen zu nutzen. Die Ägypter wollen - nehme ich jetzt einfach mal an - wohl genausowenig Chaos und Bürgerkrieg wie wir. Insoweit wäre es vielleicht ganz gut, den "Kindern" mal zu vertrauen und sie damit als gleichwertig und erwachsen anzuerkennen. Das ägyptische Volk allein hat sein Revolutionstempo zu bestimmen. Und wenn die schon nächste Woche wählen wollen, dann ist das so. Aber ich würde vielleicht mal ein wenig darauf vertrauen, daß auch die Ägypter wissen, daß es nicht ohne gewisse Vorbereitungen geht.
Und ich bin sicher, die Ägypter honorieren einen kleinen Vertrauensvorschuß eher, als den erhobenen Zeigefinger der vermeintlich Erwachsenen.
Sonst könnte das ewige Warnen vor Chaos und Islamismus vielleicht erst recht zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden.

Nachtrag: Heute hörte ich den Nahost-Experten Steinbach in N-tv sagen, daß ja - O-Ton! - "nichtmal wir Deutschen" nach 1918 sofort die Demokratie geschafft hätten und deswegen könne man in Ägypten ja sowas sowieso nicht erwarten.
Natürlich, wenn schon wir zivilisierten Deutschen das damals nicht geschafft haben, kriegen das die barbarischen Ägypter im Leben nicht hin.
Ich wünsche mir grad, daß die Ägypter uns mal überraschen.

NachNachtrag: Natürlich spiel ich hier grad mal den hoffnungsvollen Optimisten. Woher ich die Hoffnung nehme? Das beispielhafte, zivilgesellschaftlich couragierte, sich selbst organisierende Verhalten der Demonstranten auf dem Tahrir-Platz gibt mir Hoffnung. Die haben in den vielen kleinen Dingen - Proviant organisieren, Kontrollen organisieren etc. - mehr Gemeinsinn gezeigt, als hier irgendjemand von einer seit 30 und mehr Jahren geknebelten Gesellschaft hätte erwarten können.

Sonntag, 6. Februar 2011

Selbstbestimmungsrecht wichtiger als Demokratie?

Boaaaah! Diese elenden Landratten!
Da macht man einmal den Fehler bei Anne Will einzuschalten und stolpert über Egon Bahr, alterndes SPD-Mitglied. Thema war Ägypten.
Egon Bahr findet überhaupt nix anstößiges daran, daß die europäischen Regierungen nicht die Eier haben, sich offen auf die Seite der freiheitlich bewegten jungen Leute in Ägypten, Tunesien und andernorts in der arabischen Welt zu stellen. Er findet das total wichtig, daß man nur abwartet, lächelt und winkt.
Mal abgesehen davon, daß es allerhand Möglichkeiten gibt, diesen Menschen Hilfe anzubieten ohne sich anstößig einzumischen, man muß nur mal den Mut und die Kreativität dazu haben, ist Herr Bahrs Begründung überaus bemerkenswert.

Er führt zunächst Allgemeinplätze aus. Das man natürlich nicht alle Länder zwangsweise demokratisieren kann. Das es wahrscheinlich nur beschränkt sinnvoll ist, sich von Russland über Saudi-Arabien bis Afrika in jedes Land einzumischen. Und das auch Revolutionen Fehler machen können und diese Angelegenheit vor allem erstmal eine Baustelle der Menschen vor Ort ist. Ist gebongt, muß man in der Tat im Hinterkopf behalten.
Aber dann der Knaller: Stabilität sei wichtig (wenn ich nochmal diese Stabilitätsleier höre wird bei mir was gefährlich instabil) und überhaupt sei das eigentliche Maß das Selbstbestimmungsrecht der Völker und das sei wichtiger als Demokratie. Und wenn die Völker einen Diktator wollten, dann wäre das ebenso.

Ja, bitte was? Das Selbstbestimmungsrecht? Wie selbstbestimmt ist wohl ein Volk, das von einer Clique rund um einer Einzelperson geknechtet und geprügelt wird? Wie selbstbestimmt ist ein Volk, das von Folter und Gewehrläufen unten gehalten wird? Is klar, ne? Nennt mich kleinlich, aber ich halte das für viel, aber nicht für selbstbestimmt! Ehrlich gesagt glaube ich, daß es ohne Demokratie keine wirkliche Selbstbestimmung eines Volkes geben kann. Es würde mich nicht wundern, wenn mir die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz da zustimmen würden. In meinen Augen irrt Herr Bahr - Demokratie ermöglicht überhaupt erst das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Das das für uns im Westen unbequem sein kann - ja, nu, nirgendwo steht geschrieben, daß das Leben ein Ponyhof ist.
Solche Haltungen wie die von Herr Bahr sind es gewesen, die überhaupt maßgeblich den Westen in der arabischen Welt in Mißkredit brachten - und das lange vor den Kriegen im Irak und in Afghanistan. Natürlich wollen die ägyptischen Demonstranten keine kolonialherrenhafte Einmischung des Westens. Sie wollen ihr Schicksal selbst bestimmen. Aber es gibt auch Formen der zurückhaltenden Hilfe und es gab in den letzten Wochen immer wieder Stimmen von dort unten, die genau das sich wünschen. Z.B. in dem der Westen klar und deutlich sagt: Mubarak, in drei Teufels Namen, verpiss Dich!
Gerade wenn Herr Bahr das Selbstbestimmungsrecht der Völker bemühen will, wäre der Westen erst recht in der Pflicht sich auf die Seite der Demonstranten zu stellen.

Denn das was da passiert, daß ist wahre Selbstbestimmung!

Freitag, 4. Februar 2011

DJ Klein-Asmo: Rock the Revolution - for Egypt!

Mit wachsender Besorgnis und Spannung haben wir hier die Ereignisse der letzten Tage in Kairo verfolgt. Einer Idee des Kleinen Asmo folgend fiel hier nun die Entscheidung - wir unterstützen die Demonstranten moralisch mit Musik. Klein Asmo ist wieder DJ. Musik verleiht Stimme und Emotion, auch wenn nicht jede Textzeile punktgnau passen wird und manches auf Deutsch sein mag in der Auswahl. Aber wie es schon bei V wie Vendetta heißt - was ist eine Revolution ohne Tanz und Musik? Eben. DJ Klein-Asmo - übernehmen sie.

Danke, Capt'n. Nun denn. Zur Ouvertüre. Eine Ansage - brüllt es dem Despoten entgegen: We will rock you!


Und nebenbei sorry für doppelt Queen....Mubarak, go - NOW...because...We want it ALL!


An alle dort auf der Straße - YOU ARE THE REVOLUTION - YOU HAVE THE POWER!


Der Klassiker von den Hosen - der gehört einfach dazu:


Und unsere Politiker gehen mir sowas von auf den Sack...mit ihrem larifari...wißt ihr die Ärzte haben das schon erfaßt und die ägyptischen Demonstranten denken glaub ich recht ähnlich:


Die Ägypter haben noch nicht vergessen, daß man für seine Freiheit kämpfen muß...da muß ich direkt
an ein Metal-Lied denken:


Es wird Zeit lauter zu werden...and lets begin the revolution:


Überhaupt sind Gitarrenriffs toll...beim nächsten Lied, extra in Long-term-version, einfach beim Wort San Francisco gedacht Cairo einsetzen:


Zugegeben, Ägypten ist nicht Kashmir, aber hey...ist die Freiheit nicht unser aller Shangrilah? Der Sound paßt - i think:


So, damit dem Diktator auch so richtig die Ohren bluten, "kleiner" Stilbruch..Revolution ohne Tanz? Natürlich nicht! TANZ KAPUTT WAS DICH KAPUTT MACHT! EGYPTS: NO MARCH TO THE PRESIDENTS PALAIS! DANCE TO IT!


Zum Abschluß was träumerischeres...kill the king when love is the law...and sing to me...This Corrosion...in einer extended Version:


DJ Klein-Asmo meldet sich ab...to all egypts: Regards from Cologne, Germany, good luck and be free! Its your fight, but we are with you!
Ein Dank geht an Statik aka Oli von Subkultur-Radio für die Hilfe bei der Track-Suche gestern abend. Man hätte sicherlich noch mehr finden können...
...und daher an alle Blogger: SETZT ES FORT! FINDET DIE LIEDER, BETTET SIE EIN! FORTSETZUNGS-POSTINGS HIERZU WERDEN VON MIR VERLINKT UND GETWITTERT. WER FACEBOOK HAT, VERBREITET DIESES POSTING.

Lebt lang, in Frieden und Freiheit. Euer DJ Klein-Asmo.