Donnerstag, 2. Dezember 2010

Generation Bildung

Ahoi zusammen.

Auf der Suche nach weiteren Büchern für die Tavernen-Bibliothek war euer Pirat heute mal wieder unterwegs und als eingefleischter Nicht-Autofahrer benutzte ich natürlich die öffentlichen Nahverkehrsmittel (in Köln überwiegend gestellt von der KVB).
Man kann dort ungeahnte Dinge beobachten und mitkriegen. Heutiges Highlight waren zwei Mädels, die im Mittagsgedränge direkt vor mir standen.

Eigentlich waren die beiden gar nicht mal so sonderlich tussig. Die eine straßenköterblond, schlank, im grauen Mantel und Jeans mit Bommelmütze, die andere kleiner, runder und orientalischer Typus, graue dickgefütterte Jacke, schwarze Hose. Beide mit Rucksack. Und wie ich schnell aus dem Gespräch heraushörte Abiturientinnen. Das paßte zu meiner Altersschätzung von 18-19.
Thema der beiden: Was brauchen wir eigentlich wirklich von dem Kram, den man im Abi zwangsweise so lernen soll?
Eigentlich ja ne gute Frage, die sehr zu Recht gestellt werden muß. Und die sich schon immer Schüler gestellt haben.

Das gute Deutsch an sich und die durchaus gehobene Ausdrucksweise der beiden ließ erahnen, daß sie nicht ganz ungebildet sind. Nichtsdestotrotz hatten die beiden bemerkenswerte Einsichten.
Einig waren sie sich, daß das ja alles nicht zu schaffen ist und viel zu viel Blödsinn im Lernplan ist.
Das finge schon mit Sport an. "Ja, wozu eigentlich, bewegen kann sich doch jeder privat mal." "Ja, genau, besser wären da mehr AGs!" "Das wäre viel besser! Dann könnt ich ja z.B. ne Tischtennis-AG machen. Aber wozu noch Fußball, Basketball, Volleyball und Turnen im jeweils selben Jahr!" "Ich hätte dann viel mehr Zeit für den Schwertkampf, den ich früher gemacht hab...heute fehlt mir durch den Schulsport einfach die Zeit..."

Naja, gut, die beiden sahen nicht aus, als würden sie unter Übergewicht und Bewegungsmangel leiden. Kommen wir zur Geistesakrobatik:
"Mathe ist viel zu viel! Das kann man alles in 10 Jahren lernen. Grundrechenarten, Bruchrechnung, Prozentrechnung und noch ein paar Kleinigkeiten, und dann ist man doch durch." "Stattdessen müssen wir jetzt noch Kurvendiskussionen und so einen Quark machen." "Das ist in der Tat unsinnig. Das braucht man doch niemals wieder, wenn man nicht grad Mathe-Lehrer wird."
Schlußfolgerung der beiden: Mathe in der Oberstufe ist totaler Schwachsinn.
Ich kannte ja beide nicht. Ich enthielt mich also der Erklärung, daß sie sich wundern würden bei wie vielen Fächern an der Uni man das tatsächlich braucht, was sie für Unsinn hielten. Ganz zu schweigen von anderen Jobs. Außerdem wollte ich den beiden nicht die Überraschung nach dem Abi nehmen.
Aber weiter:

"Deutsch ist auch dermaßen schwachsinnig, daß in der Oberstufe zu haben. Nach 10 Jahren Gedichtinterpretation sollte man es allmählich können." "Vor allem sehr langweilig nach einiger Zeit. Da könnte man andere Dinge in der selben Zeit viel besser lernen."

Leider wurde mir nicht näher erörtert, was man besser anstatt Deutsch dann in der Oberstufe weiterlernt, denn man schwenkte sprachlich direkt zum letzten Hoffnungsschimmer dieser Bildungsrepublik:

"Was ich aber schon sinnvoll finde, daß wir mindestens eine Fremdsprache belegen müssen. Ich meine, da lernt man wenigstens tatsächlich bis zum Ende immer noch was neues."

Gott sei dank aber auch. Da ist der Fachkräftemangel ja grad nochmal so an uns vorübergegangen.

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