Samstag, 11. Dezember 2010

Die Rente ist sicher. Bombensicher.

Heute stolperte ich über einen kleinen Zeitungsartikel, der mir persönlich zu klein war. Zwei Spalten rechts in der Mitte von Seite 5. Er hätte mehr Raum auf prominenterer Seite verdient. Also der Reihe nach.

Jeder hat sicherlich schonmal von der Riester-Rente gehört. Jener tollen privaten Rentenvorsorge, die vom Staat subventioniert wird und in den Jahren 2000/2001 von Walter Riester von der SPD entwickelt wurde. Das Konzept erwies sich als sehr erfolgreich und wurde immer mehr ausgebaut, mit dem Ziel einen möglichst großen Teil der Bevölkerung mit einer halbwegs sicheren Rente zu versorgen. Zu Details zur Riester-Rente siehe auch die zugehörigen Wiki-Seite .
Diese Riester-Rente kann verschiedenste Ausformungen annehmen. Neben sehr klassischen Banksparverträgen und privaten Rentenversicherungen kann die Riester-Rente auch auf verschiedenen Formen der Fonds-Einlagen basieren. Vereinfacht gesagt wird dabei das eingezahlte Geld von der Bank oder sonstigen Fondsverwaltern investiert in Wertpapiere. Dabei nicht nur staatliche, sondern auch von Firmen, also im Grunde genommen in Aktien etc. Die erwirtschaftete Rendite finanziert dann letztlich die Rente.

So weit, so gut. Kann man ja machen. Allerdings ist häufig sehr undurchsichtig, worin die Banken eigentlich investieren um diese Renditen zu erwirtschaften. Das internationale NRO-Bündnis Facing Finance hat sich dieser Frage angenommen und dabei erschreckende Erkenntnisse gewonnen. Ganz offensichtlich hat man bei den Bedingungen für die Riester-Rente offenbar vergessen, daß Investitionen wenn möglich nicht gegen Völkerrecht oder ähnliches verstoßen sollten.
21 Anbieter von Riesterfonds sind ganz offensichtlich mit 500 Millionen Euro aus diesen Fonds in Wertpapieren von Waffenherstellern engagiert. Nicht irgendwelchen Waffenherstellern, sondern Herstellern von Streubomben.

Ihr wißt schon, diese putzigen Bömbchen, die nicht nur flächendeckend alles zerlegen können, sondern deren Blindgänger dann von Kindern auch noch für Spielzeug gehalten werden.

Auch ansonsten sind deutsche Banken - sinnigerweise auch die Deutsche Bank selbst - mit noch weiteren hunderten Millionen Euro aus verschiedenen von ihnen verwalteten Geldern an solchen Bombenherstellern beteiligt. Die 500 Millionen aus den Riester-Fonds sind aber ein nicht unbeträchtlicher Anteil.

Das Ganze ist nicht nur moralisch anrüchig. Wenn es nur das wäre, ich meine, was kümmert einen Banker denn schon so eine Marginalie. Das Ganze ist auch noch gegen das Völkerrecht. Bereits im ersten Artikel der Konvention gegen Streubomben steht drin, daß die Hersteller dieser Waffen nicht unterstützt werden durfen - und das tut man indirekt durch Investments.

Immerhin, die Rente ist sicher, dank Ländern wie den USA, Russland, China, die sich bislang dieser Konvention verweigern und weiterhin Streubomben kaufen. Manch Rentner darf sich also vielleicht bei Uncle Sam bedanken. Riesterer werden jetzt mit ganz anderen Augen die Nachrichten von den Krisenherden dieser Welt sehen. Jetzt sterben da nicht nur Menschen, jetzt wird ihnen dort auch noch ihre Rente gesichert.

Deutschlands Renten werden auch am Hindukusch verteidigt.
Wie lange wird es wohl brauchen gegen die Bankenlobby so einen Bullshit gesetztlich zu unterbinden?

1 Kommentar:

  1. Nunja, die ganzen Spekulationen und Beteiligungen, die satte Gewinne abwerfen, stinken auch so schon zum Himmel. Eigentlich können damit überwiegend nur sehr mächtige Industrien, die tatsächlich enorme Umsätze machen und krisensicher sind oder gar von dieser profitieren, als Partner in Frage kommen; das 08/15-mittelständische Unternehmen könnten sich auf solche Finanzierungen wohl nur sehr schlecht einlassen, wenn nicht dementsprechend innovative Ideen vorhanden sind und die Unternehmer kein Problem damit haben, von den Banken auseinandergenommen zu werden.

    Und wieder mal sieht man sehr stark, wie abhängig Regierungen, Industrien und Banken voneinander sind.

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