Donnerstag, 27. Januar 2011

Wind of Change?

Ahoi!
Der geneigte Leser in der Taverne wird sicherlich mitbekommen haben, daß hier die sogenannte Jasmin-Revolution thematisiert wurde. Nun - wie versprochen bleiben wir am Ball!

Wie ist inzwischen die Lage? Die Nachrichten sind aufregend! In Tunesien läßt das Volk nicht locker, das Militär steht eindeutig auf dessen Seite und die Zeichen mehren sich, daß es eine echte Chance auf eine Demokratisierung gibt. Bisher sind die letzten Vertreter des alten Regimes in Tunis in der Defensive - und ich finde das gut so!
Und der Beweis, den die Tunesier erbracht haben, daß man auch ein diktatorisches Regime aus eigener Kraft stürzen kann, sobald einem Knüppel, Gas und Kugeln egal sind, scheint Wirkung zu zeigen:
Demonstrationen in Algerien, Jemen, Jordanien. Und - ganz aufregend - eine Protestwelle ohne gleichen in Ägypten. Dort hat sich gerade heute eine prominente, auch bei uns (zumindest unter Interessierten) bekannte Persönlichkeit an die Spitze der Bewegung gestellt: Mohamed El Baradei, Friedensnobelpreisträger und früherer Chef der Atomenergiebehörde. El Baradei ist des islamischen Fundamentalismus erstmal unverdächtig - und das läßt hoffen, daß es auch in Ägypten mehr um wirkliche Bürger-und Freiheitsrechte als um eine islamistische Machtübernahme geht. Das sollte z.B. auch den Westen beruhigen, der gerade in Ägypten nicht ganz zu Unrecht beunruhigt wäre, wenn die Muslimbruderschaft die Macht übernähme.

Und das sind wir mal wieder beim Thema. Die vorsichtigen Solidaritätsbekundungen aus EU und dem sonstigen Westen an die Adresse der Protestanten sind zwar ein Fortschritt, aber immer noch viel zu lasch. Hallo? Wir sind hier nicht beim klassischen Konzert wo man nur leise tuscheln soll, ja? Hier gehts um grundlegend wichtige Dinge, es herrscht in Kairo Krawall und auch in Tunis ist noch nicht alles vorbei. Hier muß die E-Gitarre her, mit fetzigen Riffs - so wie der Wind of Change damals zur Wendezeit! Begriffen haben das erstaunlicherweise zunehmend die Vertreter der Medienlandschaft. Kaum eine Nachrichtensendung, ein Nachrichtensender oder eine Zeitung, die mir bekannt sind, die nicht auf die angebrachte Pflicht des Westens verweisen, endlich sich hinter die Völker, nicht die Regime zu stellen. El Baradeis Auftritt an der Spitze der Demonstrationsbewegung wäre die passende Gelegenheit dazu! Noch passender gehts eigentlich gar nicht! Vielleicht sind die Formulierungen in den Medien aber auch noch zu sanft.
Ich schlage mal folgende Schlagzeile vor:
BEWEGT EURE ÄRSCHE, IHR FEIGEN SÄCKE!
Und zwar nicht in der Bild, sondern in der Zeit, im SPIEGEL, etc. Also in dem, was die mehr oder weniger vermeintlichen Eliten so lesen.

Auch neue Möglichkeiten bei denen Europa helfen könnte, ergeben sich. Tunesien hat den verjagten Ex-Diktator Ben Ali zur internationalen Fahndung ausschreiben lassen. Die alten Regimevertreter vor Gericht zu stellen und auch juristisch das vergangene Unrecht aufzuarbeiten ist sicherlich eine gute Idee. Und das wäre doch unterstützenswert. Inzwischen haben wir in Europa u.a. dank der internationalen Gerichte in Den Haag mit so etwas Erfahrung. Man sollte den Tunesiern und jedem anderen arabischen Volk, das seinen Potentaten stürzt, Hilfe auf diesem juristischen Sektor anbieten - sei es beratend, oder vielleicht sogar in dem man ein internationales Gericht in Den Haag dafür einrichtet oder damit beauftragt. Es wäre ein deutliches Signal.

Der Wille zum Wandel, zu einem positiven Wandel, zeigt sich direkt vor unserer Haustür. Damit es ein Wind of Change werden kann, darf der Westen nicht tatenlos zusehen oder gar destruktiv handeln. Täte er es doch, würde sich nur endgültig zeigen, daß unsere Politiker ohne Vision, unfähig und dumm sind.
Und nicht alle in europäischen Regierungsvertreter haben dafür so gute Entschuldigungen wie Silvio, dessen Hirn nunmal chronisch unter Blutmangel leidet.

Freedom for Egypt! Yes!

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