Dienstag, 11. Januar 2011

Dioxine zu Besuch.

Eine Taverne hat viele Gäste. Nicht alle sind angenehm. Die meisten unangenehmen kann Klein Asmo bei uns an der Tür aufhalten. Aber manche sind so unauffällig und flüchtig, daß sie einfach eben doch reinkommen.
Und dann vor mir an der Theke sitzen und mir ihr Leid klagen.

So zum Beispiel neulich. Eine blaße graue Maus mit glatten Haaren und relativ flachen Brüsten hockte zusammengesunken und deprimiert in der hintersten Ecke. Sie bestellte aber keinen Alkohol, nur Wasser.
Es war nicht viel los, also dachte ich mir: Fragst mal was los ist.

Mit traurigen Augen blickte sie mich an.
„Ach…die Welt ist scheiße!“
„Wieso denn?“
„Ich saufe Wasser wie ein Loch und es löst mich einfach nicht…das geht irgendwie nur mit Fett und das finde ich eklig…und überhaupt…mir kann eh keiner helfen!“
Ich wunderte mich kurz über die wundersame Fettanspielung und widerstand der Versuchung ihr das Zeug aus der Friteuse anzubieten. Also fragte ich:
„Was ist denn passiert?“
Sie hielt sich den Kopf.
„Alle Welt haßt mich. Ich dachte das schlimmste hätte ich hinter mir, aber jetzt geht’s wieder los. Alle mobben mich. Schädlich, Giftspritze, krankmachend werde ich tituliert. Und das nur weil ich gerne Eier mag.“ Sie schüttelte den Kopf. „Können Sie sich vorstellen, wie man sich da fühlt? Dabei kann ich doch gar nix dafür. Ich wollte ja nicht mal in dieser Welt sein!“

Irgendwie tat mir die Kleine leid. „Wann hat denn das Ganze angefangen?“
Sie zuckte die Schultern. „Irgendwann vor 60 Jahren fingen sie an mich zu beschimpfen, obwohl ich nur wegen ihnen auf der Welt war.“
Ich verstand verschiedenes nicht und fragte erstmal das naheliegende: „60 Jahre? Sie sehen doch grad mal aus wie Mitte 20.“
Sie kicherte. „Ja, dabei bin ich schon mindesten knapp 140. So genau weiß ich das nicht mehr….ich weiß nur, daß ich ein ungewolltes Kind war, viele würden sagen: Eine nutzlose Mißgeburt.“
„140???“
„Ja. Ich altere kaum. Und bin praktisch unsterblich. Das ist ja das Problem. Und überall auf der Welt bin ich schon gewesen und nirgendwo will man mich.“
Wieder sah sie mich so traurig an.
Schließlich seufzte sie.
„Ich sollte besser gehen.“ Sie lächelte flüchtig. „Bevor ich Ihrem Laden schade. Der ist nämlich sehr hübsch.“
Sie legte einige Euromünzen und einen Schein auf die Theke.
Als sie aufstand, mußte ich fragen:
„Eine Frage noch: Wer sind Sie denn?“

In der Tür drehte sie sich um: „Man nennt mich Dio Xine.“
Dann war sie fort.
Ich starrte auf das Geld.
Und starrte…und starrte…

„BRING MAL EINER EINE KNEIFZANGE!!!“

Kommentare:

  1. Dazu fällt mir spontan nur eins ein: Drogen???
    Und wenn ja, welche??? :-D

    Obwohl ich ja schon ahnte, wie die Geschichte endet...

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  2. Ne, unsere Drogenabhängige ist die Cee O. Zwei, die kommt einmal die Woche aufn Schluck.

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  3. Fast hätte ich Mitleid mit Dio Xine bekommen. Aber nur fast... Dennoch: Schön, dass mal jemand die andere Seite beleuchtet hat. ;)

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  4. Das Tavernenteam hilft immer gerne, Anna! Und mich freuts, auch mal jemand neues kommentieren zu sehen *G*

    Wir lesen uns!

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  5. Schön, dass sie freiwillig gegangen ist. Und sie hat noch Geld dagelassen. Wenn doch nur alle Dioxine so nett wären ;-)
    Gruß
    Fulano

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  6. Also weißt Du, wir suchen immer noch diese blöde Kneifzange für das Geld...

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