Montag, 17. Januar 2011

Im Auge behalten: Tunesien

Ahoi!

Zuletzt schrieb ich hier ja über die aktuellen Ereignisse in Tunesien - verbunden mit Forderungen, was ich mir als Reaktion seitens des Westens und speziell der Europäer wünschen würde. Ich hab ja erst gedacht, ich wäre mit der Sichtweise doch etwas alleine, aber inzwischen scheint es entsprechenden Tenor sogar in unserer hiesigen Medienlandschaft zu geben, z.B. bei N-tv. Es geschehen also noch Zeichen und Wunder!
Man darf gespannt sein, was aus Westerwelles Ankündigung der Unterstützung der EU wird...ich befürchte ja fast - nix substantielles.
Und auch die Nachrichten aus Tunesien bleiben weiter spannend. Nicht nur, daß sich herauskristallisiert, daß die tunesische Armee offenkundig auf der Seite der einfachen Menschen zu stehen scheint - immerhin jagt sie Ben Alis Leibgarde und dessen Parteimiliz und Polizisten. Man kann vielleicht spekulieren, ob der Entzug der Unterstützung durch das Militär nicht den Ausschlag für Ben Alis Flucht gab.
Nein, die Übergangsregierung hat jetzt doch allen Ernstes verkündet, die politischen Gefangenen freizulassen.
Das durfte weitere Verbrechen des alten Regimes enthüllen - und die tunesische Bevölkerung noch mehr in ihrem Unwillen bestärken, sich das Erreichte nehmen zu lassen. Hoffnungen verbliebener Regime-Apparatschiks, das alles vielleicht doch noch aussitzen zu können, durften dann da hin sein.

Und das ist auch gut so!

Und fast noch früher, als man es für möglich hielt, scheint das tunesische Beispiel andere arabische Nationen zu inspirieren. Im Jemen gab es erste Proteste, die sich auf die Vorgänge in Tunesien beziehen. Unruhe wurde auch in Algerien, Ägypten und Jordanien verzeichnet, Gaddaffi in Libyen gab sich dünnhäutig. Eine zusammenfassende Analyse gab heute SPIEGEL online zur Angst der Despoten vor der eigenen Dämmerung.

Natürlich bleiben Probleme. So wünschenswert es wäre, wenn die Völker des Orients endlich für ihre Rechte aufstehen und sie sich erstreiten - und ich bleibe dabei: Der Westen sollte das unterstützen! - , so wenig ist derzeit klar, ob es schon zum Selbstläufer reicht oder was am Ende dabei rauskommt, wie sehr zurecht der Kölner Stadt-Anzeiger in seiner heutigen Ausgabe anmerkte.

Immerhin: Die Tatsache, daß sich die Wut der Tunesier bisher praktisch nicht gegen westliche Staatsbürger und Ziele richtete (außer wohl in einem Verwechslungsfall) ist ein Indiz, daß diese Protestbewegung nicht islamistisch unterlaufen ist. Noch nicht zumindest. Dies läßt hoffen.

An dieser Stelle wünscht die Tavernen-Crew (also ich, meine Stimmen und Klein-Asmo) den Tunesiern alles Glück und weiterhin soviel Mut, für ihre Rechte zu kämpfen.

Yoho, Pirat

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