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Montag, 10. Januar 2011

Anamorph

Es wird mal wieder Zeit, in der Taverne einen Filmabend zu machen dachte ich mir, fuhr zu einem Kumpel mit exquisiter Filmsammlung und wurde fündig. Der Film entsprach so getreu dem Motto der Taverne für mehr Durchblick, das ich ihn nun empfehlen möchte.

Es handelt sich um den Film "Anamorph - Die Kunst zu töten" aus dem Jahr 2008 - ein dermaßener Insidertip, das es in der deutschen Wiki nichtmal einen Artikel dazu gibt. Regie führte Henry S. Miller.
Der Film ist ungewöhnlich. Er verzichtet auf praktisch alle selbst in Psychothrillern heute zumindest sporadisch vorkommenden Action-Elemente. Von den reinen direkten Sachhandlungen der Personen her könnte er als fast schon langweilig gelten. Das ist aber Absicht - Miller erzielt damit in Kombination mit düsterer, oft drückender Optik, verzerrten Bildern und sogar streckenweise 70er-Jahre-Krimi-Farben sowie dem ebenso düsteren Plot eine dichte Atmosphäre. Der Zuschauer muß sich nicht nur mit dem Serienkiller befassen, sondern auch mit der Hauptfigur.
Die Hauptfigur ist ein psychisch deutlich angeschlagener Police Detective, gespielt von Willem Dafoe. Ich bin ja sowieso großer Dafoe-Fan. Ich mag seine intensive Spielweise und die Vielfalt der Rollen, die er spielen kann. Auch hier brilliert er wieder. Detective Stan Aubrey ist eigentlich am Leben gescheitert, nun muß er einen Serienkiller faßen, der deutlich mit ihm spielt und zu spät bemerkt Aubrey, das er selbst zum Ziel geworden ist. Der Killer gestaltet seine Morde als Kunstwerke - auf erschreckend aufwendige, abstoßende wie faszinierende Weise. In diese Kunstwerke eingearbeitet sind Anamorphosen- derart verzerrte Bilder, das man sie erst unter einem bestimmten Blickwinkel (meist einem sehr flachen) oder in einem Spiegel erkennt. (Wiki-Erläuterung hier: Anamorphose).
Die Verbindung zwischen Aubrey und dem Killer begreift man genau wie die Hauptfigur nur allmählich. Am Ende ist der Film nicht nur die Suche nach einem Serienmörder (Jagd würde zu viel Action implizieren), sondern auch ein Psychogramm Aubreys, der sich an seinen Schuldgefühlen abarbeitet.

Das Ende verrate ich hier nicht. Es sei aber versichert: Wer mal einen anderen Film sehen will, ist bei Anamorph gut aufgehoben.

Wer sich genauer informieren und nix dagegen hat das Ende zu erfahren kann hier mehr lesen:
Anamorph - englische Wiki.

Yoho und Film ab!

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