Samstag, 14. Mai 2011

Beitrag 100: Mein Leben ohne Handy

Ahoi!

Wie von der äußerst liebenswürdigen und hinreißenden Anna gewünscht, gibts als 100. Beitrag hier einige kurzweilige Worte zu meinem Leben ohne - Handy.
Ja, genau. Ich besitze kein Handy, geschweige denn ein SmartPhone.
Ich hatte mal eins. Etwa 3 Jahre lang. Meine damalige Freundin hatte es mir aufs Auge gedrückt, mit den Worten: Wenn Du erstmal eins hast, wirst Du es lieben lernen.
Wie so vieles was sie mir sagte, bewahrheitete sich auch dies nicht. Im Gegenteil. Ich hab die Dinger haßen gelernt. Schlucken viel zu viel Geld. Was auch daran liegt, daß ich jeden Cent, den man reininvestiert für verschwendet halte. Investier ich lieber in ne Pulle Rum oder einen guten Scotch. Da weiß ich wenigstens was ich kriege.

Es wurde mir gesagt, Handys hätten so viele Vorteile. Man ist immer erreichbar, immer in Kontakt und überhaupt wenn man in Nöten ist kann man Hilfe rufen.
Nun habe ich kein Handy. Erstaunlicherweise habe ich trotzdem ein Sozialleben. Dieses bestreite ich allerdings nicht dadurch, meine Umgebung in der U-Bahn mit meiner Hälfte eines Gesprächs verbal zu belästigen. Meldungen nach dem Motto "Ich bin grad an der vorletzten Haltestelle vor Deiner vorvorletzten bis in vier Minuten!" empfinde ich als schwer unnötig. Auch als SMS.
Ich rufe bevorzugt sowieso an - seit dem mein damaliges Ende regelmäßig SMS in den leeren Äther schleuderte, die aber nicht ankamen, was mehr als einen Ehekrach zur Folge hatte. Festnetz reicht mir zum Telefonieren. Da weiß ich dann ob ich jemanden wirklich erreicht hab oder nicht. Lustigerweise erreich ich viele Leute auf ihrem Handy höchst selten. Via Internet und Festnetz bin ich erreichbar genug. Sonstige Gespräche führe ich lieber Face to Face. Wenn ich nicht daheim bin, halte ich es wie in der Vorhandy-Zeit: Dann bin ich unterwegs, habe damit zu tun und bin daher sowieso nicht zu sprechen. Bei mir gilt: Wer was dringendes von mir will, ruft nochmal an.
Erfahrungsgemäß erwischt man mich eher als manchen Handybesitzer.

Bei persönlichen Gesprächen empfinde ich Handys als Störung. Dauernd glotzen die Leute drauf. Hallo, hier ist euer Gesprächspartner, vor euch! Dank meiner Handy-Abstinenz kann ich mich auf mein Gegenüber konzentrieren. Und im Kino kann ich auch nicht vergessen es auszuschalten. Das Leben empfinde ich ohne Handy als unkomplizierter. Probleme, die auftreten, löse ich vor Ort mit Hilfe meines Gehirns. Ich kann einen papiernen Stadtplan lesen. Wenn ihr mal jemanden mit einer Landkarte auf Papier rumrennen seht, das könnte gut ich sein. Und ich erreiche mit dieser altertümlichen Methode sicher mein Ziel! Unfaßbar!

Interessant sind immer diese mitleidigen Blicke, wenn ich Leute neu kennenlerne, etwa in einer Bar und man Nummern austauschen will. "Wie - Du hast kein Handy? Wie sollen wir denn dann Nummern austauschen?"
Naja, ich fröne da einer alten Tradition: Stift vom Barkeeper erschnorren und nen Bierdeckel verunzieren! Oder ähnliches. Ich habe keine Nummern eingespeichert, sondern ein Telefonbuch. So richtig mit Papier-Seiten! Echt praktisch. Vor allem auch ohne Akku verwendtbar. Man muß dran denken es dabei zu haben. Aber das hat man beim Handy ja auch.

Uhrzeit? Kein Problem! Ich habe ein Accessoire namens Armbanduhr. Finde ich schicker als ein bläulich glimmernder Handy-Display. Es ziert den Mann von Welt und den Piraten von See.
Besonders bemerkbar macht sich Handy-losigkeit dann wenns um Verabredungen geht. Mir geht heutzutage diese Tendenz der Leute von wegen "Ruf mich dann nochmal aufm Handy an wenn Du Dich aufn Weg machst!" auf den Senkel. Immer wieder beobachte ich, daß die Menschen um mich herum kaum noch in der Lage sind, einen Termin fest zu vereinbaren. Ich mache das sehr altmodisch. Ort und Zeit und ich werde da sein. Wenn ich versetzt werde, merke ich das schon. Meine Standardwartezeit ist ne Stunde. Bei kurzen Wegen ist das halb so wild, bei langen Weg hätte es sich sowieso nicht gelohnt, wenn man mir via Handy am Treffpunkt bescheid gesagt hätte. Absagen finde ich sollten grundsätzlich rechtzeitig vorher erfolgen. Und Anrufe von wegen "Ich hab mich verspätet, bin in 10 Minuten da" sind recht...naja, sie helfen eigentlich wenig. Das sich jemand verspätet hat - seh ich selbst. Und ist er früher da, wenn er mir das mitteilt das er in 10 Minuten da ist? Kaum. Das seh ich ja dann. Spätestens nach ner Stunde mach ich eh die Flatter.

Termine notier ich mir auf Zettel oder in den Kalender...also den an der Wand. Oder ich merke sie mir so. Erst heute erlebte ich, daß ich damit sehr gut fahre. Ein sehr sehr guter Freund hatte Geburtstag und ich hatte dran gedacht (oh Wunder!). Ein anderer Kumpel mit Smartphone hatte sich darin diesen Geburtstag mit Erinnerung abgespeichert. Es nicht näher bekannten Gründen vergaß er ihn trotzdem.
Ich bin mit meinem Hirn als Quelle meines "Smart" da doch sehr zufrieden.

Und was sonstige Notfälle angeht...ein Notfall indem ich zum Schluß komme, ich könnte jetzt ein Handy gebrauchen, ist meist etwas, wo mir das auch nicht mehr helfen würde - ich bin ausgeknockt, der 3. Weltkrieg ist ausgebrochen oder derartiges. Alles sonstige kann ich wunderbar allein regeln.

So gehe ich also durchs Leben, im Bewußtsein, daß ich auch mal nicht für alle erreichbar bin, was aber ganz gut so ist. Das hat vor Erfindung des Handys super geklappt und tuts jetzt auch. Ich spare Geld für wichtigeres (Rum) und hab meine Ruhe vor dem Ding. Ich hab Zeit für wichtigere Dinge während einer Bahnfahrt. Etwa lesen. Oder den geilen Arsch der scharfen Studentin drei Meter vor mir begutachten. Jegliche Fernkommunikation erledige ich zuhause und das reicht vollauf.
Ehrlich gesagt kann ich mir grad keine Funktion eines Handys denken, die ich vermisse. Ich muß mich nicht mit kaputten Akkus, Funklöchern oder abgelaufenen Prepaidkarten rumschlagen. Sehr erholsam.

Ich weiß, ich bin eine seltsame Randgruppe. Ohne irgendein Bedürfnis, das ein Handy bedienen könnte. Meine Bedürfnisse sind anders gelagert. Mein Bedürfnis gilt mehr der direkten Gesellschaft seitens anderer Menschen. Die kann mir kein Handy geben.

Der oben erwähnte sehr sehr gute Kumpel hat nebenbei ein sehr drolliges Wort für Handys: Ersatzehefrau/-mann.
Jaja ;)

Mit klingeltonlosen Grüßen,
euer Pirat

Kommentare:

  1. :D Fantastisch. Ich muss leider gestehen, dass ich auf mein Handy nicht mehr verzichten möchte ^^ aber ich finde es schon schlimm, wenn leute mein Handy sehen und ich das Gefühl hab sagen zu müssen, dass ich Nostalgie-Fan bin ^^. Also kann ich mir empörte Reaktionen auf "Ich habe kein Handy" echt gut vorstellen. Chapeau! an den vermutlich flaschenposterprobten Piraten ^^

    Ahoi! :)
    die Franzi

    PS: war schön heute mit dir zu telefonieren ^^

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  2. Mensch, ein Kommi von Franzi *freu*

    Ja, das Schönste an Flaschenpost ist übrigens das vorherige Leeren der benötigten Flaschen. Sollten wir mal zusammen machen!

    Yoho!

    PS: Das kann ich sie zurückgeben...ich freu mich auf Donnerstag!

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  3. Hach, der äußerst liebenswürdigen und hinreißenden Anna gefällt Beitrag 100 sehr gut. Den unterschreibe ich sofort. Jedes Wort. ;)

    Ich habe zwar ein Handy (ein so altes Teil, dass es mittlerweile peinlich ist, das inmitten der ganzen Smartphones überhaupt zu nutzen), aber ich nutze es so selten, dass ich jetzt wieder auf Prepaid umsteigen werde. Ich vertelefoniere oder "versimse" nicht mal die theoretisch möglichen 15 €, die ich monatlich abdrücke.

    Warum habe ich überhaupt ein Handy? Damit mich der Junior jederzeit erreichen kann, wenn ich mal unterwegs bin. Sonst gilt: Bin ich zu Hause, ist mein Handy aus. Und von dem Universalgenie, mit dem du alles machen kannst, halte ich nichts. Ich hab ne Armbanduhr und nen MP3-Player und, ja... einen Kalender, in den ich meine Termine handschriftlich eintrage. ;)

    Krieg ich jetzt nen Ferienjob in der Taverne?

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  4. Wie wärs mit dem Job?

    http://piratsdarktavern.blogspot.com/2010/11/aufstrebende-web-20-firma-sucht.html

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