Dienstag, 15. März 2011

Ihren Lippen zuliebe!

Dieser Artikel wird vor allem die Damen in der geneigten Leserschaft erfreuen. Es geht um ein ureigenes frauliches Thema. Es geht um - Lippenstift.

Was hat der Pirat mit Lippenstift zu tun, werden sich jetzt einige fragen. Nun, eine gute Freundin - diejenige, mit der ich bereits die Kistengeschichte erlebte - hatte Kosmetikprobekrempel (sorry, ich erzähl das aus Männersicht) von Avon ergattert. Darunter einen Lippenstift. In der Werbebeilage zum Lippenstift fiel ihr ein Wort auf.
Und sie fragte mich:
"Was bedeutet 'stereoskopisch'?"

In der Beschreibung stand - ich zitiere:
"Tolles Hautgefühl dank 24-Stunden Feuchtigkeitspflege*"

Das Sternchen wurde weiter unten ganz kleingedruckt erklärt:
"*Basierend auf den Ergebnissen einer stereoskopischen Studie mit 14 Teilnehmerinnen."

So, was heißt "stereoskopisch"? Zum Glück konnte ich meiner Bekannten weiterhelfen. Ich wußte es tatsächlich, das machte den Zusammenhang des Satzes aber nicht besser. Im Gegenteil, es offenbarte die Werbemethoden der Kosmetikindustrie.
Also, Wiki übersetzt den Begriff der Stereoskopie sehr richtig mit "räumlichem Betrachten". So war mir der Begriff auch in der Tat bekannt. Wir Menschen z.B. besitzen die Fähigkeit des räumlichen oder eben: stereoskopischen Sehens, weil die Sichtfelder unserer Augen überlappen und das Gehirn daraus ein dreidimensionales Bild zaubert. Wir sehen unsere Umgebung also sowieso stereoskopisch.

Das auf obige Werbezitate angewendet, fragt man sich was denn eine stereoskopische Studie bei Lippenstift ist.
Wahrscheinlich hat man den Teilnehmerinnen - 14 junge Hühner, die bei Dieter Bohlen abblitzten, vielleicht? - den Lippenstift aufgepinselt und einen Tag später hat ein fröhlicher Proband - irgendein fettleibiger Praktikant, der wahrscheinlich nie wieder einem jungen Huhn so nahe kam - einen genauen Blick draufgeworfen.
Wir erinnern uns: Das menschliche Sehen ist von Natur aus stereoskopisch.
Oder hat man dem armen Kerl ne 3D-Brille noch auf die Nase gepflanzt, damits auch äußerlich absurd aussieht?
Das nennt man dann bei der Kosmetikindustrie Studie.
Wie man über das Ansehen das Hautgefühl feststellt ist mir daneben schleierhaft. Auch der Feuchtigkeitswert der Haut ist darüber wohl eher subjektiv zu bewerten.

ABER! Man hat wunderbar in den Werbetext ein nichtssagendes Pseudo-Fachwort eingestreut. Ist das nicht toll? Da denkt dann jeder Laie: Boah, ey, was haben die sich ne Mühe gemacht. Darüberhinaus mit 14 Probandinnen! Was für eine Stichprobe.

Also, merken: Sollte bei kosmetischen Produkten was von stereoskopischen Studien stehen...bemüht sich der Hersteller lediglich hochgestochen daherzukommen. Nix weiter. Reale Aussagen durfte null sein. In der Tat findet sich der Begriff "stereoskopische Studie" auch via Google vor allem bei Avon-Werbetexten und scheint ansonsten nicht bekannt zu sein.

Es grüßt das Tavernenteam im Auftrag von mehr Durchblick.

Kommentare:

  1. Was für ein Schwachsinn... ähm... was für eine aussagekräftige Studie. ;)

    Werbung jeglicher Couleur kannst du getrost bei den Nebelkerzen einreihen. ;) Die Werbung für Kosmetik ist allerdings besonders perfide, weil sie nicht nur Fachwörter einstreut und leere Versprechungen macht, sondern zugleich mit computeroptimierten Models wirbt. Das geht an kaum einer Frau spurlos vorbei. Zumal sie ja weiß, dass Männer äußerlich ansprechenden Frauen nicht gerade ablehnend gegenüberstehen und es Situationen gibt, in denen die inneren Werte eher sekundär sind. ;D [Habe ich die Schuld für weibliche Leichtgläubigkeit prima auf euch Kerle abgewälzt, oder?!]

    Irgendwann trennt sich bei den Frauen allerdings die Spreu vom Weizen. Ein Teil der Frauen huldigt Botox und Skalpell und wird zur Witzfigur oder zum Star drittklassiger Filmchen. Ein anderer Teil erkennt, dass es völlig nutzlos ist, den Monatslohn der Kosmetikindustrie zu opfern, wenn es innen nicht stimmt und beginnt, in Würde zu altern. Und der Rest? Wird zum grantigen, alten Weib, das alles und jeden verteufelt. Da hilft auch der „beste“ Lippenstift nicht viel. Wobei: Lippenstift ist eh unnötig. Stört nur beim Küssen.

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  2. Ja, wie ich sehe stößt der Artikel auf Gegenliebe XD

    Im Zweifel ist mir eine ungeschminkte Frau lieber als eine mit einer Schminkmaske, unter der ein Lächeln kaum mehr zu sehen ist. Ich fürchte ich bin nicht der Typ Mann, den sich die Kosmetikindustrie so vorstellt...
    Eine mir unsympathische Frau würde ich nebenbei auch nicht flachlegen, egal wie geil die körperlich aussieht. Ich empfinde sie dann nämlich trotzdem als häßlich.

    Yoho, Pirat

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  3. Die anderen Artikel stoßen auch auf Gegenliebe. Nur kann ich denen oft nichts mehr hinzufügen. ;)

    Deinem Kommentar kann ich auch nichts mehr hinzufügen. Geht (oder eher: ging) mir ebenso. Mit Männern. ;D

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  4. Geiles Wort. Das werde ich mir merken und mal irgendwann bei Gelegenheit einstreuen. Danke für die Aufklärung.
    Gruß
    Fulano

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  5. Solche Attribute machen nichtsaussagende Aussagen nur noch nichtsaussagender - hmm, Minus mit Minus multipliziert ergibt ja auch wieder Plus, vlt. war das ja neben dem offensichtlichen Unfug und der Tatsache, dass ein Mitarbeiter wahrscheinlich durch Klickerei im Inet zufällig auf den Wiki-Artikel zur Stereoskopie gelangen ist, ein weiterer wichtiger Faktor zur Entscheidung, den Werbetext entsprechend aufzupeppen :D

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