Montag, 28. März 2011

Das ABC politischer Nebelkerzen 2

Es waren Landtagswahlen und das gleich in zwei Bundesländern. Und total "überraschend", sowas aber auch, haben vor allem Schwarze und Gelbe eins auf die Mütze gekriegt. Dabei wollten wir doch mehr Integration. Sowas aber auch.
Erstmal Glückwunsch an die BaWü-Indigenen: Ihr habt endlich die Autokraten gestürzt und seit damit dem strahlenden Vorbild Ägypten gefolgt. Jetzt bitte nicht zuviel strahlen, sonst glaubt noch einer, eure Reaktoren hätte es erwischt.

Jedenfalls nutzten verschiedene Politiker die Gelegenheit wieder, ihr Nebelkerzenarsenal abzuschießen:

E wie "Es gibt keine Krise!"
Immer wieder gerne behauptet, vorzugsweise wenn gerade alles auseinander fällt und die Dämonen der Hölle gerade empor steigen. Schließlich müssen die Leute ja beruhigt werden. Man will sich ja nicht den Vorwurf gefallen lassen, keine Führungsstärke zu besitzen. Also eigentliche Übersetzung: "RENNT WAS DAS ZEUG HÄLT UND DREHT EUCH UM HIMMELS WILLEN NICHT UM!" 

E wie "Es kann kein weiter so geben!"
Eine der bemerkenswertesten Feststellungen der Politik, wenn mal wieder alles schief ging und der Wähler nicht mitspielte oder der Atomreaktor (je nachdem!). Dann möchte man sich als verändungsfähig präsentieren. Warum es allerdings kein weiter so geben kann, ist eigentlich nie ersichtlich, wenn man es sich mal recht bedenkt. Seit Jahrzehnten kehrt man doch eigentlich immer recht schnell zur Tagesordnung zurück, selbst nach Tschernobyl. Und von daher darf man mit Recht davon ausgehen, daß dieser wundervolle Satz die Luft, die er füllt, nicht wert ist. Denn eigentlich heißt der Satz mehr...genau: "Was wollt ihr eigentlich von mir? Na gut, wenns euch hilft, daß ich heulend durch die Flure renne, bitte sehr. Aber ich krieg nächstes Jahr meine Diätenerhöhung, nicht ihr und überhaupt wüßte ich nicht, warum ich meinen Müll selbst trennen sollte, wo ich doch ein Hausmädchen hab. Laßt mich mal künftig damit in Ruhe. Ich mag meine Gewohnheiten und dabei bleibts! Basta!"
 
W wie "Wir haben verstanden!"
Vornehmlich nach Wahlniederlagen wie jener von schwarz-gelb in Baden-Württemberg verkünden Politiker dann, sie hätten verstanden (so auch diesmal Westerwelle wieder). Daran durfen durchaus berechtigte Zweifel angebracht sein, da häufig nichtmal artikuliert wird, was man verstanden haben wolle. Und wenn es artikuliert wird, dann immer nur nebulös "die Botschaft der Wähler". Seltsamerweise hat höchst selten bisher ein Politiker darauf damit reagiert seinen Hut zu nehmen. Was wiederum Zweifel daran weckt, daß er wirklich verstanden hat. Der Satz bedeutet also nicht wirkliches verstehen, sondern viel mehr: "Was, ihr meintet das wirklich so, als ihr sagtet, ihr wolltet mich nicht mehr sehen? Och nö, das seh ich aber gar nich ein. Ich werde nicht zurücktreten. Auch nicht wenn ich einer Umfallerpartei wie der FDP angehöre. Und überhaupt schmoll ich jetzt erstmal, ihr undankbares Pack!"

Kommentare:

  1. Wir haben verstanden...

    ...haben aber keine Absicht, etwas an der Situation zu verändern. ;)Derartige Aussagen muss man dechiffrieren, wie die Werbeversprechen in einem Reiseprospekt. Naturbelassener Strand und so...

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  2. Nuja, zumindest dieses Mal tanzen CDU und FDP aus der Reihe, nachdem nun Mappus und Westerwelle nötige Konsequenzen gezogen haben. Aber auch wieder erstaunlich zu sehen, wie Fr. Dr. Merkel weiterhin ihre Zeit auf ihrem Thron absitzt, während die Basis zumindest zu brökeln beginnt (was schon lange mehr als nötig war). Wie eine echte Monarchin eben :)

    Wobei man aber immer noch sagen muss - 40% der Wähler haben in BaWü CDU gewählt. Das ist und bleibt eine Menge Holz. Schon erstaunlich, welche Hartnäckigkeit die CDU-Stammwähler trotz größtem Bullshit ihrer Partei beweißen und weiterhin brav ihre Stimme diesem Pack geben. Zum Kotzen!

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