Donnerstag, 9. September 2010

Premiere! Merkel sagt was vernünftiges

Man glaubts kaum. Inmitten von Atombeschlüssen, Sarrazin-Debatte, Westerwellen und Sparzwängen sagt Merkel was vernünftiges.
Bitte einen Feiertag dafür!

Worum geht es? Nun, Merkel ehrte den dänischen Mohammedkarikaturisten Westergaard und verurteilte dabei zugleich die geplante Koranverbrennung durch diesen Spinner in Florida.
Nur dem etwas Kleingeistigen mag dies allzu widersprüchlich erscheinen. In der Tat berufen sich sowohl Westergaard wie der amerikanische Spinner auf die Meinungsfreiheit. Dennoch hat Merkel mit ihrer Verurteilung des letzteren und der Ehrung des Ersteren eine richtige und wichtige Unterscheidung getroffen, die ein paar Worte der Erläuterung verdienen.

Westergaard hat Mohammed mit einer Bombe im Turban gezeichnet. Das war eine Karikatur, Satire. Ganz ähnlich wie wenn wir Blogger über Sarrazin satirisch herziehen. Damit ist kein persönlicher diffamierender Angriff gemeint gewesen, sondern Westergaard legte mit einer satirischen Zuspitzung den Finger auf ein Problemfeld. Das es eine Karikatur war, war klar erkennbar, damit auch klar, daß es eine vereinfachte Zuspitzung einer tatsächlich vorhandenen Problematik war. Das Ziel ist das Anstoßen einer Kontroverse, nicht die böswillige Verletzung oder Diffamierung. Das war bei der Karikatur klar erkennbar (bei Sarrazins Buch kann man bei einigen Passagen wahrscheinlich durchaus über Diffamierung streiten...aber sogar ich hab meine Zweifel ob Sarrazin vorsätzlich böswillig handelte).
Man mußte diese Karikatur nicht mögen (ich persönlich hätte sie mir lustiger gewünscht), aber sie zeigt das grundsätzliche Problem auf: Extremisten mißbrauchen den Propheten für ihre Taten und wie deshalb Außenstehende diesen wahrnehmen, ist offensichtlich. Vor diesem Hintergrund nahme Westergaard die Muslime sogar überaus ernst - und ernstnehmen kann man jemanden nur mit einem Mindestmaß an Respekt.
Deshalb bewegte sich Westergaard im Rahmen einer verantwortungsvollen Meinungsfreiheit.
Ich weiß, solcherlei Karikaturen erfordern ein dickes Fell, wenn man selbst betroffen ist, aber werte Muslime: Das dicke Fell hat man sich zuzulegen. Niemand hat behauptet, daß Meinungsfreiheit ein Ponyhof ist. Umgekehrt hat man ja durchaus die Freiheit Westergaard für muslimfeindlich zu halten und das zu sagen (auch auf die Gefahr hin, sich zu irren).

Der kleine Spinner in Florida dagegen gibt nicht mal vor, mit der Koran-Verbrennung irgendeine Diskussion anstoßen zu wollen oder einen tieferen Sinn. Er sagt ganz offen, daß er damit beleidigen, verletzen und andere in ihrer Würde treffen und herabsetzen will. Da ist er nebenbei genau da, wo die Nazis schon bei ihren Bücherverbrennungen waren.
Das hat mit Meinungsfreiheit nix mehr zu tun. Das ist Mißbrauch von Meinungsfreiheit. Denn auch diese hört da auf, wo sie andere böswillig schädigen, verletzen, erniedrigen will. Wenn man dem anderen ein Mindestmaß an Respekt versagt.
Höre ich da Widerspruch? Der Widerspruch ist töricht, messen wir doch in unserem Alltag stets mit genau diesem Maße. Sogar juristisch basieren genau darauf alle Gesetze gegen Beleidigung und Verleumdung. Man kann natürlich diese für Schwachsinn halten, dann brauch man aber auch nicht mehr länger respektvollen Umgang miteinander einfordern.

Das gilt sogar für Sarrazin, der ja für sein Buch eine Menge einstecken mußte, auch von mir (und ich nehme nix zurück, es war im großen Teil Satire mit ein paar sachlichen Ausführungen). Vor Sarrazin habe ich tatsächlich noch einen Mindestrespekt. Allein für die Eier sich jeden Tag in einer Talkshow dem Kreuzfeuer zu stellen. Den Mumm hat nicht jeder. Mögen tu ich ihn trotzdem nicht und seine Ansichten halte ich trotzdem größenteils für Quatsch. Aber als ich neulich mal Ideen vernahm, man solle doch sein Buch verbrennen, wurde auch mir anders.
Da kann ich nur sagen: NEIN! Nichtmal Sarrazins Buch.
Es wäre genauso falsch wie die Koranverbrennung oder die Bücherverbrennungen der Nazis.
Aus den selben Gründen sind mir die Flaggen-und Puppenverbrennungen und Ausschreitungen auf Demos in muslimischen Ländern zutiefst zu wider. Das ist eine Unkultur, die mit Demonstrationsfreiheit oder Meinungsfreiheit nicht mehr viel zu tun hat.

Abschließen möchte ich mit zwei Zitaten:

"Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst."
Voltaire

"Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man bald auch Menschen."
Heinrich Heine

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