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Samstag, 2. Juli 2011

Einfach mal spielen lassen

Erst einmal möchte ich mit einem Outing beginnen. Als ich das letzte Mal ein Frauenfußballspiel gesehen hab, das war irgendwie 2005 oder 06, also so richtig bewußt gesehen, hab ich irgendwann umgeschaltet. Ich empfand es echt als lahmarschig. Zwar viel Enthusiasmus der Damen, aber eben lahm und nicht so auf dem Leistungsniveau, das ein schönes Spiel verspricht.

Keine Sorge, ich schalte auch bei Spielen der Kerls ab, wenn die mir zu lahm sind. Denn Hand aufs Herz - auch bei den Kerlen gibt es oft genug öde, langweilige Partien, wenn es um das runde Leder geht.

Und jetzt durfte jeder wissen, was Thema diesmal ist hier in der Taverne: Richtig. Frauenfußball-WM.

Ich habe viele Fußball-WMs miterlebt. Also bei den Kerlen. Aber noch nie habe ich erlebt, daß eine WM so runtergeredet respektive -geschrieben wurde. Da ist es eigentlich egal, ob es der Schreiber gut oder schlecht mit den torjagenden Damen meint. Ein eigentlich wohl als konstruktiv kritisch gemeintes Werk hat z.B. Jakob Augstein auf SPIEGEL online verfaßt. Wenn man ihn so liest möchte man die WM allein aus Mitleid absagen.
Andernorts auf SPIEGEL online wurde bemängelt, die WM würde zu Tode instrumentalisiert zwecks Feminismus und Emanzipation. Zwar eine richtige Feststellung, aber auch alles im Tonfall, daß man das Gefühl haben könnte, man müßte die Spielerinnen vor dem Mißbrauch retten.
Das andere Extrem findet man dann am wunderbarsten ausgeprägt bei vielen Usern des SPIEGEL online-Forums oder manchmal durchschimmern bei den Sportkommentatoren von ARD und ZDF. Nämlich, daß Frauenfußball ja eh Zeitverschwendung ist, weil kein richtiger Sport etc. Bei vielen SPIEGEL-Foristen fragt man sich, ob die wirklich schon im 21. Jahrhundert angekommen sind, oder nicht doch noch irgendwo im 19. rumgurken. So rein mental.

Irgendwie widerte mich das alles an. Sowohl die angeblich emanzipatorische Haltung, die sich trotzdem geriert, als bräuchten die Mädels allen Ernstes HILFE bei dem was sie am besten können - Fußball spielen. Und auch die Haltung, die ihnen genau dieses Können abspricht.
Natürlich ist es eine relativ junge sportliche Sparte, die noch nicht die über ein Jahrhundert gewachsenen Strukturen des Männerfußballs aufweisen kann. Aber sowas ist auch andernorts im Sport der Fall, daß etwas noch relativ jung ist, was einfach historische Gründe hat. Aber nur beim Frauenfußball wird immer so unterstellt, daß der aus diesen Strukturen erwachsende Aufholbedarf etwas mit dem Geschlecht zu tun hat.
Z.B. hab ich beim Schwimmsport oder so nie solches Meckern vernommen. Oder liegt das daran, daß man da womöglich erotischeres zu sehen bekommt? Vielleicht sollten die Mädels beim Jubeln nach dem Tor mal ihre Trikots vom Leib reißen wie die Kerle, vielleicht ist ja dann Ruhe im Karton.
Leute...wenn man sein Gehirn nicht benutzen kann, weil das Blut woanders ist, vielleicht einfach mal die Klappe halten.

Laßt die Frauen doch einfach mal ihren Fußball spielen. Zumindest die bisherigen Partien - ja, ich hab mir gedacht, schalt doch mal wieder ein - fand ich dann nicht langweilig. Eigentlich fand ich vieles schon sehr dicht dran an dem was viele Kerlemannschaften so bieten. Also - laßt sie einfach mal spielen, ihr Ding machen, laßt euren ganzen Weltverbesserungs-und Rückständigkeitsquatsch zu hause. Wenn man da mal hinkäme, daß wäre wirklich mal ein Fortschritt.

Und einen Wunsch hab ich: Ich würde gern mal ein Spiel der deutschen Nationalmannschaften gegeneinander sehen. Der Damen gegen die Herren. Ich glaube, daß könnte interessant werden...

In diesem Sinne,
Yoho, Pirat

PS: Natürlich übertragen wir die Spiele in der Taverne *lach*

Sonntag, 6. Februar 2011

Selbstbestimmungsrecht wichtiger als Demokratie?

Boaaaah! Diese elenden Landratten!
Da macht man einmal den Fehler bei Anne Will einzuschalten und stolpert über Egon Bahr, alterndes SPD-Mitglied. Thema war Ägypten.
Egon Bahr findet überhaupt nix anstößiges daran, daß die europäischen Regierungen nicht die Eier haben, sich offen auf die Seite der freiheitlich bewegten jungen Leute in Ägypten, Tunesien und andernorts in der arabischen Welt zu stellen. Er findet das total wichtig, daß man nur abwartet, lächelt und winkt.
Mal abgesehen davon, daß es allerhand Möglichkeiten gibt, diesen Menschen Hilfe anzubieten ohne sich anstößig einzumischen, man muß nur mal den Mut und die Kreativität dazu haben, ist Herr Bahrs Begründung überaus bemerkenswert.

Er führt zunächst Allgemeinplätze aus. Das man natürlich nicht alle Länder zwangsweise demokratisieren kann. Das es wahrscheinlich nur beschränkt sinnvoll ist, sich von Russland über Saudi-Arabien bis Afrika in jedes Land einzumischen. Und das auch Revolutionen Fehler machen können und diese Angelegenheit vor allem erstmal eine Baustelle der Menschen vor Ort ist. Ist gebongt, muß man in der Tat im Hinterkopf behalten.
Aber dann der Knaller: Stabilität sei wichtig (wenn ich nochmal diese Stabilitätsleier höre wird bei mir was gefährlich instabil) und überhaupt sei das eigentliche Maß das Selbstbestimmungsrecht der Völker und das sei wichtiger als Demokratie. Und wenn die Völker einen Diktator wollten, dann wäre das ebenso.

Ja, bitte was? Das Selbstbestimmungsrecht? Wie selbstbestimmt ist wohl ein Volk, das von einer Clique rund um einer Einzelperson geknechtet und geprügelt wird? Wie selbstbestimmt ist ein Volk, das von Folter und Gewehrläufen unten gehalten wird? Is klar, ne? Nennt mich kleinlich, aber ich halte das für viel, aber nicht für selbstbestimmt! Ehrlich gesagt glaube ich, daß es ohne Demokratie keine wirkliche Selbstbestimmung eines Volkes geben kann. Es würde mich nicht wundern, wenn mir die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz da zustimmen würden. In meinen Augen irrt Herr Bahr - Demokratie ermöglicht überhaupt erst das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Das das für uns im Westen unbequem sein kann - ja, nu, nirgendwo steht geschrieben, daß das Leben ein Ponyhof ist.
Solche Haltungen wie die von Herr Bahr sind es gewesen, die überhaupt maßgeblich den Westen in der arabischen Welt in Mißkredit brachten - und das lange vor den Kriegen im Irak und in Afghanistan. Natürlich wollen die ägyptischen Demonstranten keine kolonialherrenhafte Einmischung des Westens. Sie wollen ihr Schicksal selbst bestimmen. Aber es gibt auch Formen der zurückhaltenden Hilfe und es gab in den letzten Wochen immer wieder Stimmen von dort unten, die genau das sich wünschen. Z.B. in dem der Westen klar und deutlich sagt: Mubarak, in drei Teufels Namen, verpiss Dich!
Gerade wenn Herr Bahr das Selbstbestimmungsrecht der Völker bemühen will, wäre der Westen erst recht in der Pflicht sich auf die Seite der Demonstranten zu stellen.

Denn das was da passiert, daß ist wahre Selbstbestimmung!

Freitag, 4. Februar 2011

DJ Klein-Asmo: Rock the Revolution - for Egypt!

Mit wachsender Besorgnis und Spannung haben wir hier die Ereignisse der letzten Tage in Kairo verfolgt. Einer Idee des Kleinen Asmo folgend fiel hier nun die Entscheidung - wir unterstützen die Demonstranten moralisch mit Musik. Klein Asmo ist wieder DJ. Musik verleiht Stimme und Emotion, auch wenn nicht jede Textzeile punktgnau passen wird und manches auf Deutsch sein mag in der Auswahl. Aber wie es schon bei V wie Vendetta heißt - was ist eine Revolution ohne Tanz und Musik? Eben. DJ Klein-Asmo - übernehmen sie.

Danke, Capt'n. Nun denn. Zur Ouvertüre. Eine Ansage - brüllt es dem Despoten entgegen: We will rock you!


Und nebenbei sorry für doppelt Queen....Mubarak, go - NOW...because...We want it ALL!


An alle dort auf der Straße - YOU ARE THE REVOLUTION - YOU HAVE THE POWER!


Der Klassiker von den Hosen - der gehört einfach dazu:


Und unsere Politiker gehen mir sowas von auf den Sack...mit ihrem larifari...wißt ihr die Ärzte haben das schon erfaßt und die ägyptischen Demonstranten denken glaub ich recht ähnlich:


Die Ägypter haben noch nicht vergessen, daß man für seine Freiheit kämpfen muß...da muß ich direkt
an ein Metal-Lied denken:


Es wird Zeit lauter zu werden...and lets begin the revolution:


Überhaupt sind Gitarrenriffs toll...beim nächsten Lied, extra in Long-term-version, einfach beim Wort San Francisco gedacht Cairo einsetzen:


Zugegeben, Ägypten ist nicht Kashmir, aber hey...ist die Freiheit nicht unser aller Shangrilah? Der Sound paßt - i think:


So, damit dem Diktator auch so richtig die Ohren bluten, "kleiner" Stilbruch..Revolution ohne Tanz? Natürlich nicht! TANZ KAPUTT WAS DICH KAPUTT MACHT! EGYPTS: NO MARCH TO THE PRESIDENTS PALAIS! DANCE TO IT!


Zum Abschluß was träumerischeres...kill the king when love is the law...and sing to me...This Corrosion...in einer extended Version:


DJ Klein-Asmo meldet sich ab...to all egypts: Regards from Cologne, Germany, good luck and be free! Its your fight, but we are with you!
Ein Dank geht an Statik aka Oli von Subkultur-Radio für die Hilfe bei der Track-Suche gestern abend. Man hätte sicherlich noch mehr finden können...
...und daher an alle Blogger: SETZT ES FORT! FINDET DIE LIEDER, BETTET SIE EIN! FORTSETZUNGS-POSTINGS HIERZU WERDEN VON MIR VERLINKT UND GETWITTERT. WER FACEBOOK HAT, VERBREITET DIESES POSTING.

Lebt lang, in Frieden und Freiheit. Euer DJ Klein-Asmo.

Montag, 10. Januar 2011

Anamorph

Es wird mal wieder Zeit, in der Taverne einen Filmabend zu machen dachte ich mir, fuhr zu einem Kumpel mit exquisiter Filmsammlung und wurde fündig. Der Film entsprach so getreu dem Motto der Taverne für mehr Durchblick, das ich ihn nun empfehlen möchte.

Es handelt sich um den Film "Anamorph - Die Kunst zu töten" aus dem Jahr 2008 - ein dermaßener Insidertip, das es in der deutschen Wiki nichtmal einen Artikel dazu gibt. Regie führte Henry S. Miller.
Der Film ist ungewöhnlich. Er verzichtet auf praktisch alle selbst in Psychothrillern heute zumindest sporadisch vorkommenden Action-Elemente. Von den reinen direkten Sachhandlungen der Personen her könnte er als fast schon langweilig gelten. Das ist aber Absicht - Miller erzielt damit in Kombination mit düsterer, oft drückender Optik, verzerrten Bildern und sogar streckenweise 70er-Jahre-Krimi-Farben sowie dem ebenso düsteren Plot eine dichte Atmosphäre. Der Zuschauer muß sich nicht nur mit dem Serienkiller befassen, sondern auch mit der Hauptfigur.
Die Hauptfigur ist ein psychisch deutlich angeschlagener Police Detective, gespielt von Willem Dafoe. Ich bin ja sowieso großer Dafoe-Fan. Ich mag seine intensive Spielweise und die Vielfalt der Rollen, die er spielen kann. Auch hier brilliert er wieder. Detective Stan Aubrey ist eigentlich am Leben gescheitert, nun muß er einen Serienkiller faßen, der deutlich mit ihm spielt und zu spät bemerkt Aubrey, das er selbst zum Ziel geworden ist. Der Killer gestaltet seine Morde als Kunstwerke - auf erschreckend aufwendige, abstoßende wie faszinierende Weise. In diese Kunstwerke eingearbeitet sind Anamorphosen- derart verzerrte Bilder, das man sie erst unter einem bestimmten Blickwinkel (meist einem sehr flachen) oder in einem Spiegel erkennt. (Wiki-Erläuterung hier: Anamorphose).
Die Verbindung zwischen Aubrey und dem Killer begreift man genau wie die Hauptfigur nur allmählich. Am Ende ist der Film nicht nur die Suche nach einem Serienmörder (Jagd würde zu viel Action implizieren), sondern auch ein Psychogramm Aubreys, der sich an seinen Schuldgefühlen abarbeitet.

Das Ende verrate ich hier nicht. Es sei aber versichert: Wer mal einen anderen Film sehen will, ist bei Anamorph gut aufgehoben.

Wer sich genauer informieren und nix dagegen hat das Ende zu erfahren kann hier mehr lesen:
Anamorph - englische Wiki.

Yoho und Film ab!

Dienstag, 9. November 2010

Attila, der Wikinger

Als ein geschichtlich und naturwissenschaftlich interessierter Freibeuter und Barbesitzer glotz ich ja durchaus gerne mal die ein oder andere Doku. Diese Passion hatte ich schon als kleiner Schiffsjunge. Nun, in den letzten Jahren haben Sender wie Phoenix, N-tv und N24 kommerziell und in Serie produzierte Dokus durchaus marktreif und gesellschaftsfähig gemacht. Anfänglich schauten die Öffentlich-rechtlichen da ja etwas pikiert drauf. Aber inzwischen ist das durchaus echte Konkurrenz.
Es gibt sogar einen Namen für diese Entwicklung, die vom amerikanischen Discovery Channel (dem Google der Fernsehwelt) und der BBC herüberschwappte: Infotainment.
Boah!

Leeeet meeeeee INFOTAIN YOU!!! *bambambam*

Man kann das durchaus begrüßen. Die Sendungen sprechen ein breites Publikum an und einige vermitteln tatsächlich ja sowas wie Bildung. Und da das so ein Erfolg ist nehmen nun auch Sender wie Kabel 1 entsprechende Formate ins Abendprogramm auf. Zur besten Sendezeit.

Dumm nur, wenn man sich da nicht die Perlen, sondern die faulen Nüsse einhandelt. Nämlich schlecht gemachte Dokus. Und damit meine ich nicht Herrn Barrs Riesenkalmar, der eigentlich nur ein Humboldtkalmar war.

Nein, ich meine eher solche Unglücke wie auf kabel 1, ein Format, das als die größten Eroberer  angepriesen wurde. Das Format stellt in aufwendig produzierten Szenen die Feldzüge von so großen Eroberern wie Attila, Richard Löwenherz usw. dar. Dafür, daß es von der BBC war, erstaunlich ungenau, wie mir auffiel. Manche Szenen kommen zu sehr wie Seifenoper daher, der zeitliche Rahmen wird häufig ungenau umrissen. Na gut, mag der publikumswirksamen Dramaturgie geschuldet sein.

Ich hab dann einmal mich hinreißen lassen, die Taverne war grad leer, klein Asmo sammelte die letzten Gläser ein, da zappte ich drauf und stolperte über die Folge dieser Reihe bezüglich Attila, dem Hunnen-...momentmal, das war doch der Hunnenkönig gewesen, oder? Da ritten also mit Schwertern bewaffnete Männer umher, man sah brüllende bärtige Burschen....aber Hunnen waren das irgendwie nicht. Die wirkten mehr wie Wikinger.
Hätte man nicht wenigstens passende Darsteller zumindest für die Protagonisten wenn nicht für die Statisten finden können? Ich war völlig konsterniert.

Seit Attila, dem Wikinger habe ich mich nicht mehr getraut diese Reihe einzuschalten. Nix gegen Infotainment, aber das war kein Geniestreich! Ich will nicht wissen wieviele Geschichtslehrer da jetzt wieder die Wahrnehmung der Kids vergeblich gerade zu biegen versuchen...

Wer weitere Beispiele für schlechtes und eher skurriles Infotainment kennt, darf sie gerne melden.

Dienstag, 31. August 2010

Fernsehschirm: Intellectual Death Match Yogeshwar vs Sarrazin

Tadaaa!
Die Dark Tavern hat jetzt - da hinten in der Ecke über der Dartscheibe - auch nen Fernseher. Gut, ist was flimmerig, halt ne alte Bildröhre, aber sie tuts!

Gestern Abend haben ich und der arme Schlucker mit dem texanischen Akzent, der in letzter Zeit spät abends immer noch an der Bar rumhängt, das Ding getestet. Wir stolperten über...Beckmann.
Der erste Schreck - WUUUAAAAAH, EINHEITSBREI! - wich schnell, und zwar der Überraschung. Es war die vielleicht fruchtbarste und interessanteste politische Talkrunde, die ich seit langem gesehen hab.

Das Thema war natürlich unvermeidlich: Sarrazin und sein Pamphle...äh...Buch.
Geradezu wunderbarerweise hob sich die Sendung vom derzeit typischen "Ihhhhhhhh ein Nazi!"-Geschrei ab.
Das gabs zwar auch, dafür war Frau Künast zuständig, aber selbst die war ja noch ziemlich zivilisiert. Nein, die Gesprächsrunde war äußerst zivilisiert, sachlich - und gerade dadurch wurde klar, wie groß der Unsinn ist, den Herr Sarrazin da zusammengeschwurbelt hat. Neben Frau Künast und Moderator Beckmann waren noch folgende Gäste da: Olaf Scholz von der SPD, Sarrazin selbst (wir leben in einer Demokratie, die durfen sich auch Populisten verteidigen - ein Demagoge ist Sarrazin nicht, dafür fehlt ihm der letzte Schuß Entertainment, wie man schnell merkte), Aygül Özkan - die Quotenmigrantin der niedersächsischen Landesregierung (Frau Özkan, nix für ungut, ich finds toll, daß eine Türkin Landesministerin ist, aber im Ernst, was glauben sie wie weite Unionskreise das wohl ehrlicherweise wahrnehmen?) und schließlich noch einer.
Ranga Yogeshwar.
Auf den ersten Blick fragt man sich: Hä? Ein Physiker und Sachshow-Moderator? Was hat der damit zu tun, außer, daß er Migrant ist?
Beim Zusehen und Zuhören wurde mir klar, daß dieser Gast ein brillanter Einfall der Beckmann-Redaktion war. Yogeshwar ist ausgebildeter Naturwissenschaftler - und als solcher darin ausgebildet sich in naturwissenschaftlich bearbeitete Themengebiete einzuarbeiten. In Folge seiner Wissenssendungen hat er sich auch mit vielen Themen schon beschäftigt in Sachen Biologie und Populationsdynamik etc. auf die sich Sarrazin in seinem Buch beruft. Nur während Sarrazin vor allem die Studienzusammenfassungen aus den Zeitungen zitiert, kennt Yogeshwar oft die aktuellsten Studien aus direkter Lektüre der Fachblätter.
Und Yogeshwar kennt den Unterschied zwischen scheinbaren Zusammenhängen und tatsächlichen Kausalzusammenhängen. Bewundernswert auch wie dieser Mann selbst in Angesicht eines solchen Themas dermaßen ruhig und sachlich argumentiert - und dabei wiederholt Sarrazin zerlegt.
Sarrazin ist naturwissenschaftlich gesehen ein Laie. Und wagte sich auf Yogeshwars Spielfeld. Argumentative Hinrichtung könnte man das Ergebnis nennen.
Abgerundet wurde dies auch durch kurze Zuschaltungen weiterer thematisch involvierter Menschen - so erfuhr man von den aktuellen Erfahrungen der Streetworker und den tatsächlichen vom Statistischen Bundesamt festgestellten Trends in der Bevölkerung. Das gerade letztere Sarrazins Thesen konterkarierten, obwohl er sich dauernd auf angeblich diese Statistiken berief, ließ sehr deutlich Sarrazins fehlerhafte Methodik aufleuchten.

So war das wirklich mal eine informative Sendung, die sich nicht auf "Wie können Sie sowas sagen!" und "Das ist unmenschlich, sie haben Unrecht" beschränkte. Sondern sich wirklich bemühte, die Wirklichkeit Sarrazins Thesen gegenüberzustellen. So wünscht man sich das. Solche kleinen Sternstunden bitte häufiger, dann würde ich sogar Gebühren zahlen.
Eigentlich würde man sich wünschen, daß nach dieser Sendung Deutschland das Thema abhakt und einfach dazu überginge, jedem Mitmenschen in diesem Land, der den Anschluß an der gesellschaftlichen Teilhabe verpaßt hat, egal ob urdeutsch (was immer das ist) oder zugewandert oder was dazwischen, die Teilhabe an der Gesellschaft wieder zu ermöglichen. Das würde uns wirklich allen helfen. Denn nur wer teil hat an einer freien Gesellschaft kann dieser auch etwas beisteuern.
Debatten a la Sarrazin sind gestrig und vom letzten Jahrhundert. Heute, im 21. Jahrhundert, müssen wir endlich gestalten.
Leider ist es für eine Gesellschaft leichter bei den Debatten kleben zu bleiben.