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Samstag, 11. Juni 2011

Rezension: Minenfeld Balkan

Als ich vor einiger Zeit mit einer Freundin auf einem Waldfriedhof bei Bonn spazieren war, machte ich eine Entdeckung: Ein herrenlos herumliegendes Buch. Kurzentschlossen haben wir es mitgenommen. Gerade lese ich es, hab es zu zwei Dritteln durch und was soll ich sagen: Es gefällt mir.

Das Buch nennt sich "Minenfeld Balkan - der unruhige Hinterhof Europas". Geschrieben wurde es von zwei Journalisten, die unter anderem für den SPIEGEL auf dem Balkan unterwegs waren: Olaf Ihlau und Walter Mayr.

Das Buch liest sich vom Stil her leicht, es mutet teilweise fast wie ein Reisebericht an und verrät den Kenner der Verhältnisse vor Ort. Es nimmt einen mit auf eine Reise in die komplexen Verhältnisse auf den Balkan, deren Hintergründe nach und nach zu einem Bild, zu einem Mosaik zusammengefügt werden.
Und schließlich spürt man aus den Berichten die ganze Tragik der Kriege, die in den 1990er Jahren auf dem Balkan tobten. Ihlau und Mayr nehmen dabei kein Blatt vor dem Mund. Wiederholt wird die Mitschuld der internationalen Gemeinschaft an den Blutbädern klar mit herausgestellt. Zugleich zeichnen sie sachlich, aber eindringlich den Irrsinn nach, der in Bosnien oder Kosovo bis heute Alltag ist.

Die einzige Schwäche des Buches sind gelegentliche kleinere Wiederholungen, was daraus resultiert, daß vor allem ein Panorama der Konflikte auf dem Balkan und deren Hintergründe gezeichnet werden soll, weniger eine chronologische Abfolge der Ereignisse.

Wer diese Ereignisse aber besser verstehen will oder vielleicht überhaupt erst einen Einstieg in die Materie wagen will, für den ist das Buch absolut empfehlenswert.

Daten:
Ihlau, O. & Mayr, W. 2009. Minenfeld Balkan. Der unruhige Hinterhof Europas. - Siedler-Verlag, München. ISBN: 978-3-88680-916-5

Montag, 20. Dezember 2010

Der Verrat am Gott-Imperator

Es wurde Zeit, die kleine Bib der Taverne mal wieder zu bestücken *G*
Und wer sich ein wenig auskennt, der wird anhand der Überschrift bereits erahnen können, was ich angeschleppt habe.

Richtig. Die Reihe "Der Große Bruderkrieg" aus dem Warhammer40k-Universum und zwar die ersten
vier Bücher:

1: Aufstieg des Horus (Autor: Dan Abnett)
2: Falsche Götter (Autor: Graham McNeill)
3: Brennende Galaxis (Autor: Ben Counter)
4: Kreuzer Eisenstein (Autor: James Swallow)

Außenstehenden mag der Stoff grad angesichts recht martialischer Cover wie allzu simples Sci-Fi-Gemetzel vorkommen. Ich kann nur sagen: Mitnichten! Ist es natürlich auch, aber nicht nur. Und das nicht nur, ist der Grund, warum ich so begeistert bin.
Die Herausforderung war zugegebenermaßen groß! Der grundsätzliche Stoff war seit Jahren bekannt, weil Teil des offiziellen Hintergrundes des Warhammer40k-Universums seitens Games Workshop.
Das heißt, die grobe Story der vier Bücher kannte man ja:
Im 31. Jahrtausend der Menschheit führt der Primarch Horus, Liebling des Imperators der Menschheit, den Großen Kreuzzug zur Eroberung der Galaxis an. Eine Welt nach der anderen wird von den besten Kriegern des Imperiums, den Spacemarines, gnadenlos erobert. Nichts scheint den Siegeszug der Menschheit aufhalten zu können - weder Orks noch andere Aliensorten. Und dann verrät Horus seinen Vater, den Imperator, zusammen mit einigen seiner Brüder und beginnt den Bruderkrieg mit einem Vernichtungsschlag gegen einige Einheiten loyaler Spacemarines. Horus und seine Anhänger schlagen sich auf die Seite der Chaosgötter, jener bösartigen Mächte, die im Warpraum lauern und Einfluß auf unsere Dimension bekommen wollen.
Nur eine Handvoll loyaler Spacemarines entkommt auf dem Schiff "Eisenstein" dem Inferno und begibt sich auf eine Odyssee, um die Erde und den Imperator zu warnen, was gerade noch so gelingt.

Der Stoff war grundsätzlich bekannt, auch einige Details noch dazu, z.B. welcher Spacemarines-Orden loyal war und welcher zu den Verrätern gehörte. Diesen Stoff in Romanform zu bringen ließ eigentlich nur zwei Ergebnisse zu: Absoluten Quark oder eine großartige Story.
Und obwohl für jedes Buch ein anderer Autor zuständig war, kam letzteres bei raus.
Vor dem Hintergrund politischer Intrigen und Kampfhandlungen wird geschildert, wie einzelne Protagonisten sich an entscheidenden Wendepunkten ihrer Laufbahn für oder gegen neue Entwicklungen entschieden und auch ihre Sichtweise auf die Welt veränderten. Gerade auch die psychologische Entwicklung des Verräters Horus wird überzeugend geschildert. Zugleich wird ausführlich beschrieben, wie die Grundlagen des Verrats sich ausbreiten konnten - durch zunächst harmlos erscheinende Dinge, Gruppendruck, aber auch Zwang. Manches erinnert durchaus an die Abgründe, die schon in "Die Welle" beschrieben wurden.
Das Ganze ist nicht einen Moment langweilig. Und mehr als einmal kann man dabei selbst über die Frage nachdenken: Würde man selber erkennen wenn eine Gesellschaftsordnung aus dem Ruder gerät? Hätte man die Kraft, den Versuchungen zu widerstehen? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bände.
Und ich freue mich schon auf die anderen Bücher der Reihe, die ich wirklich nur empfehlen kann.

Die Bücher wurden auf Deutsch alle von Heyne herausgegeben.
Wer interessiert ist, hier sind die ISBN:

Aufstieg des Horus: 978-3-453-52535-1
Falsche Götter: 978-3-453-52558-0
Brennende Galaxis: 978-3-453-52642-6
Kreuzer Eisenstein: 978-3-453-52640-2

Dienstag, 5. Oktober 2010

Und so ward ich - Biffist!

Der ein oder andere mag sich erinnern - unsere Taverne hat ne kleine Bibliothek. Sie ist noch im Aufbau begriffen. Nun ja. Ein wichtiges Buch wird nun endlich Einzug halten in selbiger.

Und zwar - die Bibel.
Nach Biff.

Ich liebe dieses Buch. Lange wurde es mir empfohlen. Irgendwann hat es mir dann jemand geschenkt. Dieses Jahr erst hatte ich es verliehen und es kam dann über verschlungene Pfade neulich zurück zu mir.
Es ist einfach grandios. Ich könnte schwören, wenn es Biff nicht gäbe, wäre ich er und man müßte ihn erfinden. Oder...moment...stimmt...man hat ihn ja erfunden. Sei es drum. Christopher Moore hat mit seiner Geschichte von Biff, dem besten Freund von Jesus, den man nach 2000 Jahren wieder hervorzerrt damit er aufschreibt wie es wirklich war, etwas geschaffen, von dem man sich wünschen möchte, es wäre wahr.
Ich gebe offen zu, wäre die Bibel nach Biff der offizielle Glaubenskanon (insbesondere der Teil, wo man für seinen besten Kumpel die heißesten Mädel flachlegt), dann wäre ich vielleicht sogar nicht länger Atheist. Ich wäre Biffist. Leider besteht der Vatikan auf diesem verschrobenen unflätigen Buch, das die Christen die Bibel nennen.

Ich glaube die Welt wäre schöner. Wir hätten eine Religion, in der das Kamasutra vorkommt, die Frauenstatuen in den Kirchen Wonne und Erbsenschote als Namen trügen und wo man den Kindern mit dem Mann droht, der mit Tauben. (Fuck, ich hab wieder dieses Bild vor Augen!). Ganz zu schweigen davon, daß die Frauen mit Maggie ein vernünftiges Vorbild hätten.
Das Bild von Gott wäre auch endlich realistischer. Nämlich, daß ihm hier alles am Arsch vorbeigeht.
Nur um eines würde man sich dann noch kloppen. Ob das H. für Heilig oder Harvey steht.
Ich persönlich halte es mit Biff - Harvey klingt cooler.

Und vor allem hätten die Menschen ein Vorbild echter Freundschaft durch jeglichen Unfug des Lebens hindurch. Vielen mag das unvorstellbar erscheinen, wenn sie die Bibel nach Biff lesen. Mir nicht. Ich bin in der glücklichen Lage eine ähnliche Freundschaft seit ich denken kann zu haben. Das wegen berührt mich das Buch sehr.

Und umso froher bin ich, daß die Weisheit dieses Buches jetzt vielleicht dem ein oder andern Tavernengast beim Whisky miteingeflößt wird. Für eine bessere Welt!

Yoho, Pirat

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Unsere Empfehlung, wenn auch älter:
Christopher Moore:
Die Bibel nach Biff. Die wilden Jugendjahre von Jesus, erzählt von seinem besten Freund.
Goldmann Verlag
ISBN: 978-3-442-54182-9
Deutsche Ersterscheinung: 2002.

Donnerstag, 16. September 2010

Rätselhaftes vom Büchermarkt

Verzeihung das die Taverne übers WE geschlossen war! Der Pirat war auf Familienbesuch...und dabei offenbarte sich mir ein Rätsel der besonderen Art.

Zum Verständnis der Situation: Ich bin großer Fan der beiden Raben-Reihen von James Barclay und habe sie zum Glück auch beide vollständig. Soweit so gut. In meinem Umfeld habe ich auch mehrere begeistern können für diese Bücher. Und nun wollte davon jemand sich die Bände nicht nur ausleihen, sondern auch selbst welche kaufen.
Das sollte eigentlich kein Problem sein - dachten wir.

Weit gefehlt!
Das Phänomen fiel zuerst beim vierten Band von "Die Chroniken des Raben" auf, "Himmelsriss". Das Buch war neu nicht zu haben, bei Amazon nur noch gebraucht ab etwa 50 Euro aufwärts erhältlich! Der Originalpreis war knapp 8 Euro. Die anderen Bände der Reihe waren kein Problem, nur Band 4. Eine kurze Googlerecherche ergab tatsächlich, daß das Problem auch schon anderen aufgefallen war und offenkundig war "Himmelsriss" vergriffen.
Ein ähnliches Phänomen zeigte sich bei Band 1 der Reihe "Die Legenden des Raben".

Bei einem ersten Band verstehe ich das noch. Den sollten sich erwartungsgemäß die meisten Menschen kaufen, da er eine zusammenhängende Reihe beginnt und man nachfolgende Bände wohl eher nicht kauft, wenn man den ersten nicht kennt.
Aber im Falle von "Himmelsriss", des vierten Bandes einer Reihe, stehe ich dann doch vor einem Problem.
Wieso ist ausgerechnet der mittige Band als einziger vergriffen und inzwischen um ein vielfaches im Wert gestiegen? Wir haben das halbe Wochenende drüber gequatscht, aber nichtmal der Troll in unserem Kühlraum konnte eine Antwort ersinnen (die Weltformel kriegt er spielend hin, aber bei dieser Frage scheiterte er kläglich).
Ist das Ganze vielleicht vom Verlag gewollt? Aber wenn ja - mit welchem Motiv? Wirklich durchschauen tu ich es nicht.

Es ist ein Rätsel!

Wer eine Lösung hat, darf sich gerne melden...solange durfte das wohl eine X-Akte sein.
Mulder, Scully, übernehmen sie.

Hintergrundinfos zum Buch selbst: Himmelsriss

Freitag, 27. August 2010

Buchrezension: Projekt Dino

Ha! Die Taverne hat jetzt auch eine Bibliothek! In dem Kämmerlein hinten links neben dem Billardtisch :)
Wer sich in den dortigen Lesesessel mit einem guten Glas Rum in der Hand lümmeln und schmöckern will, nur zu. Wir haben ein unfaßbares Sortiment, dank Pratchetts L-Raum.

Und das ein oder andere Buch möchte ich vorstellen. Heute: Ein Dino-Buch.

Titel: Projekt Dino.
Autoren: U. Joger, R. Kosma, F.J.Krüger (u.a.)
Verlag: Herausgegeben vom Staatlichen Naturhistorischen Museum in Braunschweig, Gesamtherstellung lag beim Cargo-Verlag.
Jahr: 2009.
Genre: Sachbuch.
Seiten: 175.

Zum Inhalt: Projekt Dino erzählt die spannende Geschichte einer wissenschaftlichen Expedition des Naturhistorischen Museums in Braunschweig in den Niger, um dort Dinosaurier zu finden und auszugraben. Es darf direkt gesagt werden: An sich war die Unternehmung erfolgreich, viele der Funde sind heute in Braunschweig ausgestellt. Aber bis es soweit war - diese spannende Geschichte erzählt das Buch. Von der ersten Idee eine solche Unternehmung durchzuführen über die Vorbereitung, die schwierige Anreise, die abenteuerlichen Grabungsbedingungen bis hin zur Präparation der Funde und der Beschreibung einer neuen Art.
Und nebenher erfährt man viel über die Leute vor Ort - die Tuareg zum Beispiel - und das dortige Leben. Die Expedition selber konnte trotz politischer Wirren nur wegen der großen Freundlichkeit der dortigen Menschen zu Ende gebracht werden. Verbunden mit der wissenschaftlichen Arbeit war außerdem ein Hilfsprojekt zum Aufbau einer Schule im Niger - was ebenfalls erzählt wird.
Diese Kombination und zahlreiche Fotos machen aus Projekt Dino mehr als nur das übliche Sachbuch - es ist ein leicht geschriebener, informativer Reisebericht, der den Leser in ein fernes Land entführt und Einblicke in die moderne Dinosaurierforschung ermöglicht. Man würde sich allgemein mehr solche Bücher wünschen, um der Öffentlichkeit die Forschung näherzubringen und auf ihren humanitären Nutzen aufmerksam zu machen.

ISBN: 978-938693-17-9